Michael Sommer: Schwarze Tage. Roms Kriege gegen Karthago

Nach seiner „Römischen Geschichte“ (Neuauflage 2021) hat der Historiker Michael Sommer nun einen der größten Konflikte der Weltgeschichte, den Kampf zwischen Rom und Karthago, untersucht und ein spannendes Sachbuch dazu verfasst, welches sich wie ein Thriller liest. Quellenkritisch – unsere Kenntnisse der Auseinandersetzung beider Staaten beruhen auf römischen Quellen, also den Aussagen des Siegers – benennt er Ursachen, beschreibt den Verlauf und das Ergebnis der drei punischen Kriege und die Gründe für Roms Sieg und Karthagos Vernichtung.


Das Buch wurde in der Zeitschrift „Damals“, welche wir in der Bücherei ebenfalls anbieten, zu Recht empfohlen und gehört für mich zu den interessantesten Sachbuchneuerscheinungen dieses Jahres.



Herr Schnarch ist müde und möchte nur noch eines: schlafen. Allerdings findet sich für ihn kein freies Einzelzimmer: im 1. Stock schläft bereits eine kleine Maus auf dem Kopfkissen, im zweiten Stock klaut ihm ein dort lebendes Schwein seine Decke, im dritten Stock tropft es.... So wird Herr Schnarch immer wieder umquartiert, flieht vor Spinnen, Bienen und Giraffen. Schließlich wird es Herrn Schnarch zu bunt und er sucht sich schließlich selber ein Zimmer: im 13. Stock. Dort erwartet Herrn Schnarch eine große Überraschung....
Dieses mit dem Leipziger Lesekompass 2020 ausgezeichnete Bilderbuch besticht durch knappe Texte und witzige Situationen auf großflächigen Bildern. Der mit einer riesigen Nase ausgestattete Herr Schnarch, der einfach nur seine Ruhe haben will, erscheint riesengroß. Doch seine tierischen Mitbewohner werden auch immer größer.... Und mit dem Portier kann man schließlich nur noch Mitleid haben, weil er seine Gäste so wenig zufriedenstellen kann... Ein wunderschönes und skurriles Bilderbuch ab 4 – für kleine und große Kinder!

Der Nürnberger Gymnasiallehrer Ewald Arenz hat mit diesem Buch einen stark autobio-graphisch geprägten Coming-of-Age-Roman vorgelegt, der mich sehr beeindruckt hat. Der 16-jährige Frieder muss die Sommerferien 1981 wegen einer Nachprüfung in Mathe und Latein bei seinen Großeltern verbringen und büffeln. Vor allem vor seinem strengen Großvater, einem Mediziner, hat er Angst. Doch dann erlebt er den Sommer seines Lebens und lernt mit Beate seine große Liebe kennen. Und er erkennt, dass sein Großvater auch andere Seiten hat und ihm in einer schwierigen Situation nicht im Stich lässt...

Es gibt viele Romane dieser Art, etwa Andre Kubiczek: „Skizze eines Sommers“ oder auch „HardLand“ von Benedict Wells. Dieses Buch hat mich durch seine sprachliche Kraft und die interessanten Charaktere der Großeltern, die nicht eindimensional schwarz-weiß gezeichnet sind, sehr beeindruckt. Vor allem die komplizierte Liebesgeschichte der Großeltern hat mich sehr beeindruckt. Sehr lesenswert.

Anlässlich des 250. Geburtstages hat der Herausgeber der FAZ, Jürgen Kaube, eine sehr lesenswerte Biographie über Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831) vorgelegt. Kaube erläutert in seinem Buch nicht nur Leben und Werk des großen deutschen Philosophen, sondern er beschreibt auch die Bedeutung des deutschen Idealismus: „Im Idealismus liegt...die Behauptung, dass wir die Welt durch Denken begreifen können, weil sie selbst „denkförmig“ und zu wesentlichen Teilen unsere Hervorbringung ist.“ Es handelt sich dabei um den Versuch, die wesentlichen Begriffe des menschlichen Selbstverständnisses aus einigen wenigen Gedanken herzuleiten. Mit Hegel kommt die an Kant anschließende, sich an Systemgesichtspunkten orientierende idealistische Philosophie zu ihrem Abschluss. Er versuchte, die tradierte Metaphysik, die modernen naturwissen-schaftlichen Methoden, das moderne Naturrecht und die Theorien der bürgerlichen Gesellschaft im Blick auf die gegenwärtige Welt in seiner Philosophie zu vereinigen.  „Ein wahnsinnig gutes Buch...Wir tauchen tatsächlich in Hegels Welt ein“ urteilte die „Welt“ über Kaubes Werk. Dem kann ich mich nur anschließen. Eines der besten Sachbücher des vergangenen Jahres.

Am frühen Morgen des 26. April 1986 explodierte der Reaktor 4 des Kernkraftwerks in Tschernobyl und löste die schlimmste Katastrophe in der Geschichte aus. 35 Jahre nach der Katastrophe zeichnet der Verfasser die Ereignisse nach, wobei er sich zum einen auf Interviews mit Augenzeugen stützte. Zum anderen verwertete er veröffentlichte Erlebnisberichte und bislang geheime sowjetische Dokumente. Entstanden ist eine erschütternde Chronik, die nicht nur zeigt, wie es zu dieser Katastrophe kam, sondern eine Erzählung erstaunlicher Heldentaten Einzelner und irrwitziger Inkompetenz auf Seiten der Verantwortlichen. Ein Ereignis, welches die Welt für immer verändert hat – dies wird bei der Lektüre dieses Buches erneut erschreckend offensichtlich.

Das Werk dürfte zukünftig zu den wichtigen Standardwerken zum Thema gehören – neben den bereits älteren Publikationen, etwa von Grigori Medwedew: „Verbrannte Seelen“ oder Zhores Medwejews: „Das Vermächtnis von Tschernobyl“ und Swetlana Alexijewitsch: „Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft“, die alle in dem umfangreichen Literaturverzeichnis aufgeführt sind.

 Als Jim, ein kleiner Schimpanse, am Morgen erwacht, ist die Sonne zu hell, der Himmel zu blau und die Banane schmeckt irgendwie fürchterlich süß. Kurz darauf begegnet er seinem Freund, dem Gorilla Nick, Dieser vermutet sofort, dass Jim einfach nur schlechte Laune habe. Diese Vermutung teilt er allen Tieren mit, denen sie unterwegs begegnen. Die Tiere geben sich die allergrößte Mühe, ihn aufzumuntern, aber ohne Erfolg. Jim fühlt sich einfach nur schrecklich, schreit seine Freunde an: „Ich habe keine schlechte Laune“ und rennt davon... Doch sein Freund Nick spürt ihn auf und überzeugt Jim, dass es völlig o.k. ist, wenn man an einem Tag auch mal schlechte Laune hat...

„Jim ist mies drauf“ - ein wunderschön illustriertes Bilderbuch über Gefühle, das unaufdringlich zeigt, dass jeder mal schlechte Laune haben darf. Dies ist überhaupt nicht schlimm! Wunderschöne Illustrationen, die die Mimik der beteiligten Tiere genau zeigen, verstärken diese Botschaft noch. Einfach rundherum empfehlenswert – für alle – Kinder und Erwachsene!

Gereon Rath muss dieses Mal während der Olympischen Spiele 1936 ermitteln. Ein amerikanischer Unternehmer, der seine Mannschaft zu den Spielen begleitet, stirbt überraschend und dies bleibt nicht der einzige Todesfall. SS und SD vermuten eine kommunistische Sabotageaktion. Gereon Rath hat Zweifel an dieser Theorie, wird aber gezwungen, verdeckt im olympischen Dorf zu ermitteln. Pikant an der Situation: auch sein Ziehsohn Fritz, als "Ehrendienstler" einem amerikanischen Sportler zugeteilt, wird Zeuge zweier dieser Taten und gerät daraufhin in Gefahr...

Um die Handlung zu verstehen, sollte der Vorgängerband „Marlowe“ gelesen werden, auf den dieses Buch sich mehrfach bezieht. Sehr gelungen finde ich die eindringliche Darstellung der Atmosphäre der Angst  in Deutschland in diesen Jahren, etwa die Beschreibung des Schicksals der Gefangenen in den Konzentrationslagern (ein Gefangener muss dabei mithelfen, das KZ Sachsenhausen zu errichten).
Ein spannender historischer Kriminalroman, der zeigt, was geschieht, wenn eine totalitäre Diktatur sich erst einmal etabliert hat. Willkür und Gewalt sind da keine Grenzen mehr gesetzt.  Ein unter die Haut gehendes Buch.

Back to Top