Ein weiteres Stück Rodau ist renaturiert worden

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Durchstich am Oberwiesenweg: 90 Meter Bachbett an alten Verlauf angeschlossen

Die Rodau kann sich künftig auf einem weiteren Streckenabschnitt natürlich entfalten: Mit dem Durchstich eines bislang noch trennenden Steges am Oberwiesenweg unweit der Kinder- und Jugendfarm ist am Montag (27. Mai) ein neu geschaffenes, 90 Meter langes renaturiertes Stück Bachbett an den alten Verlauf angeschlossen und geflutet worden. Damit haben die im Dezember 2018 begonnenen Arbeiten zur Fortführung der Rodau-Renaturierung ihren Abschluss gefunden. Zur ‚Durchstichfeier‘ waren neben allen an Planung und Bau Beteiligten auch die Vertreter des Kreises Offenbach eingeladen. Die Maßnahme wird komplett aus Mitteln der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgabe finanziert, die der Stadt Rödermark durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach für das förderungswürdige Projekt bewilligt wurden. Die Baukosten belaufen sich auf rund 90.000 Euro, die Planungskosten einschließlich ökologischer Baubegleitung auf rund 26.000 Euro.

Direkt im Anschluss an den Durchstich wurde mit den Erdarbeiten zur Stilllegung des alten Flussverlaufs begonnen. Zuvor wurden noch die Bachneunaugen abgefischt und in das neue Flussbett eingesetzt. Die restlichen Erdmassen werden zeitnah abgefahren. Am Ende der Renaturierungsmaßnahme wird ein weiteres Stück an hochwertigem Lebensraum für Tiere und Pflanzen entstanden sein.

Schritt für Schritt soll die Rodau in ihrem Quellort Rödermark aus schnurgerade gezogenen, strukturarmen Bachbettrinnen befreit werden. Ziel der Renaturierung in Etappen ist es, durch Laufverlängerung und breiteren Gewässerquerschnitt mehr Platz für Wasser und attraktiveren Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen. Ein erster Abschnitt mit einer Länge von 450 Metern war im Herbst 2009 am Oberwiesenweg zwischen Badehaus und Kinder- und Jugendfarm renaturiert worden. Dieser Bereich hat inzwischen eine sehr positive eigendynamische Entwicklung mit Laufverlagerung genommen. Renaturiert wurde im vergangenen Jahr auch ein Abschnitt am alten Ober-Röder Festplatz. Anfang Dezember wurde dann mit den Baggerarbeiten in dem Teilabschnitt zwischen Rödermarkring und Kinder-und Jugendfarm begonnen. Die Maßnahme umfasste einen circa 60 Meter langen Streckenabschnitt. Der Fließgewässerlauf wurde dabei um etwa 30 Meter auf 90 Meter verlängert. Aufgrund der Verschwenkung der zukünftigen Bachlinie kommt es zur Ausbildung von zusätzlichen Prall- und Gleithängen unter Schonung der wertvollen Seggenriedbestände und des Baumbestands. Eine Erhöhung von naturnahen Fließwiderständen wurde durch das Einbringen von Baumstämmen und Wurzelstubben erreicht. Im Hinblick auf den Schutz des hier vorkommenden Bachneunauges war eine ökologische Baubegleitung beauftragt und ein detaillierter Ablaufplan erarbeitet worden. Zum Schutz der Fische blieb an der in Richtung Urberach gelegenen Seite ein Steg aus Bodenmaterial stehen. Dieser verhinderte, dass das neue Bachbett bereits im Winter geflutet wurde, da dies zum damaligen Zeitpunkt schädlich für die Population des Bachneunauges gewesen wäre. Erst bei einer Wassertemperatur von 8 Grad können die Fische abgefischt werden, ohne Schaden zu nehmen.

„Die Rodau ist für unsere Stadt identitätsstiftend. Diese Funktion wurde auch bei der Erstellung unseres Leitbildes ganz deutlich festgestellt. Ich freue mich deshalb sehr, dass die Renaturierung peu à peu voranschreitet. Dem Kreis bin ich für sein Engagement sehr dankbar“, sagte Bürgermeister Roland Kern. Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger ergänzte: „Ich bin sehr erfreut über die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Rödermark und der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach und freue mich über die Zielstrebigkeit, mit der die Stadt Rödermark das Renaturierungsprojekt dieses kleinen, aber sehr bemerkenswerten Rodau-Abschnittes betrieben hat. Besonders beeindruckt war ich von der Menge der seltenen und streng geschützten Bachneunaugen, die hier im Sediment leben, und die zeigen, dass sich die Verbesserung der Wasserqualität und Strukturgüte lohnt!“

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