Die Überraschung des Abends hatte hohen Symbolwert: Der Bürgermeister, der Landrat, ein Bundestagsabgeordneter und weitere Ehrengäste hatten dem Ausländerbeirat der Stadt Rödermark zu seinem 25-jährigen Bestehen gratuliert, langjährige Mitglieder waren geehrt worden, als gegen Ende des akademischen Teils der Feier im bis auf den letzten Platz gefüllten Foyer der Kulturhalle das Kinderprinzenpaar des KSV Urberach die Bühne betrat und Fastnachtsorden überreichte. Der Clou: Die Prinzessin hat türkische Wurzeln und ist die Nichte von Zahide Demiral, der Vorsitzenden der Interessenvertretung der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Mehr Integration geht nicht, und dass dies in Rödermark so gut funktioniert, daran hat der Ausländerbeirat einen nicht unwesentlichen Anteil.
Zahide Demiral zeigte sich hoch erfreut über das volle Haus und die illustre Schar der Gäste, die sie begrüßen konnte: „Das zeigt uns, dass die Menschen unterschiedlicher Herkunft die Begegnung untereinander suchen und diese und ähnliche Anlässe in Rödermark dafür nutzen, um mit uns im Gespräch zu bleiben und den bewährten Dialog in Sachen Integration und Teilhabe in unserem Kreis weiter fortzusetzen.“ Neben Bürgermeister Roland Kern, Erstem Stadtrat Jörg Rotter und Stadtverordnetenvorsteher Sven Sulzmann gaben unter anderen der Bundestagsabgeordnete Dr. Jens Zimmermann, Landrat Oliver Quilling, der Vorsitzende des Landesausländerbeirats, Enis Gülegen, und die Vizekonsulin des Türkischen Konsulats in Frankfurt, Gülsüm Bakici, dem Rödermärker Ausländerbeirat zu seinem Jubiläum die Ehre.
Die Geburtsstunde des Ausländerbeirats schlug am 26. Januar 1994, als die Stadtverordnetenversammlung die Geschäftsordnung des Gremiums verabschiedete. Zum ersten Vorsitzenden wurde Hidir Karademir gewählt. Karademir habe den Grundstein für eine wachsende politische Teilhabe und Integration der Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt gelegt, so Demiral. Ihr Dank galt auch den Bürgermeistern, die den Ausländerbeirat alle wertgeschätzt hätten. „Nicht alle Ausländerbeiräte in Hessen haben das Glück, auf eine solche Unterstützung zurückgreifen zu können.“ Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen komme den Ausländerbeiräten eine zunehmende Bedeutung im kommunalpolitischen Geschehen zu. „Für uns bedeutet dies, uns den vielfältigen Herausforderungen zu stellen, für Verständnis zu werben, den interkulturellen Dialog zu fördern, Brücken zu bauen, wie wir es in der Vergangenheit mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten versucht haben.“ So sei der Ausländerbeirat maßgeblich an der Entwicklung des auch überregional gewürdigten Rödermärker Integrationskonzepts beteiligt gewesen und leiste bis heute in der AG Integration einen wichtigen Beitrag für das Miteinander in der Stadt.
Demiral nannte zahlreiche Beispiele einer Erfolgsgeschichte: Einführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts an den Grundschulen, Einrichtung eines muslimischen Gräberfeldes auf dem Urberacher Friedhof, zahlreiche Beratungsangebote, regelmäßige Informationsveranstaltungen, Förderung des interreligiösen Dialogs durch gemeinsames Feiern von Festen wie Weihnachten, Fastenbrechen und Muharrem. Durch seine vielfältigen Aktivitäten übe der Ausländerbeirat eine wichtige Brückenfunktion in der Stadt aus, betonte Demiral. Internationalität sei eine Bereicherung für Rödermark. „Begegnen wir einander, überwinden wir unsere Vorbehalte und sorgen wir dafür, dass alle Kulturen hier in Rödermark respektvoll und harmonisch miteinander leben!“
Was vor 25 Jahren noch „sensationell“ gewesen sei, habe sich zu einer positiven Normalität entwickelt, sagte Bürgermeister Roland Kern – einer Normalität auf hohem Niveau der Beteiligung von Anfang an. Bei der Wahlbeteiligung habe der Rödermärker Ausländerbeirat stets eine Spitzenposition in Hessen eingenommen. Das belege, dass hier eine Arbeit geleistet werde, die vielen, die es angehe, als sinnvoll erscheine. „In der Tat ist die Arbeit des Ausländerbeirats im demokratischen Gefüge und im gesellschaftlichen Leben unserer Stadt nicht mehr hinwegzudenken“, so Kern. Deshalb habe er guten Grund, „allen, die sich bislang in diesem wichtigen Beratungsgremium engagiert haben und weiter engagieren, ganz herzlichen Dank zu sagen“.
Wertvolle Dienste und Hilfestellung leiste der Ausländerbeirat bei der Beratung von Mitbürgern mit Migrationshintergrund über sein Büro im SchillerHaus, ob es um soziale Fragen gehe, um religiöse Angelegenheiten in der schulischen Ausbildung der Kinder oder um Hilfestellung bei Behördengängen, so Kern. Sämtliche städtischen Angelegenheiten, die für die Stadtverordnetenversammlung zur Vorbereitung von Beschlüssen in den Ausschüssen beraten werden, würden auch vom Ausländerbeirat erörtert, um bei Bedarf entsprechende Hinweise in die Parlamentsberatung einzugeben. Auch bei den Festlichkeiten oder Jubiläen von Vereinen jeglicher Art oder bei städtischen Veranstaltungen seien die Mitglieder des Ausländerbeirats gern gesehene Gäste und auch tatkräftige Mithelfer bei organisatorischen Angelegenheiten. Ein Beispiel der besonderen Art für gelungene Integration hatte auch der Bürgermeister parat: „‚Ich weiß nicht was soll es bedeuten‘, dieser Text wurde auf Deutsch und Türkisch geschmettert, als eine kleine Schiffsladung von Köchinnen und Köchen, die bei den Festen im Park am Entenweiher mitgeholfen hatten, an der Loreley vorbei schipperte. Das hatte es bisher auch noch nicht gegeben.“
Nach weiteren Grußworten von Hidir Karademir, Landrat Oliver Quilling, Dr. Jens Zimmermann MdB, Enis Gülegen (Vorsitzender der Ausländerbeiräte in Hessen) und Hüsamettin Eryilmaz (Vorsitzender Kreisausländerbeirat) ehrte Moderatorin Semra Kanisicak, Geschäftsführerin des Kreisausländerbeirates, die langjährigen Mitglieder Selahattin Karademir (17) und Perihan Demirdöven (13) sowie die bisherigen Vorsitzenden Hidir Karademir, Hüseyin Firat, Engin Karadeniz, Makbule Firat und Zahide Demiral. Fedai Öztürk, ein weiterer ehemaliger Vorsitzender, und Tamer Cavus (10 Jahre) waren an dem Abend verhindert.
Foto Ehrungen (v. l.):
Yeliz Basar (Geschäftsführerin), Thomas Mörsdorf (Leiter Bürgermeisterbüro und Schriftführer), Engin Karadeniz, Selahattin Karademir, Hüseyin Firat, Makbule Firat, Perihan Demirdöven und Zahide Demiral






