Damals mit Bedacht: Baubremse im Breidert

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Ausstellung bot Gelegenheit zum Dialog – Bürgermeister und seine Amtsvorgänger waren sich einig: Weniger kann manchmal mehr sein

In Erinnerungen schwelgen: Wie fing das damals an mit dem Baugebiet Breidert? Welche Beschlüsse fassten die Ober-Röder Gemeindevertreter in den 1960er Jahren? Wie wuchs die Siedlung in den darauffolgenden Dekaden in Etappen? Was wurde und blieb prägend, wenn von sozialer Infrastruktur und nachbarschaftlichem Miteinander die Rede war und ist? All diese Fragen wurden am vergangenen Wochenende im Rahmen der Ausstellung „Unser Breidert: Gestern.Heute.Morgen.“ ausgiebig beleuchtet.

Die Initiative „Wir sind Breidert“ hatte zur großen Text- und Bilderschau in die Grundschule des Viertels eingeladen und holte damit etwas nach, was vom grassierenden Corona-Virus im Frühjahr 2020 durchkreuzt und auf unbestimmte Zeit vertagt wurde.

Nun also: Endlich der Gang von Schautafel zu Schautafel, endlich der direkte Meinungsaustausch über die Historie, den Ist-Zustand und die Perspektiven des rund 3.800 Einwohner zählenden Quartiers im Südosten von Rödermark. Anlässlich der Vernissage hatten die Organisatoren den amtierenden Bürgermeister Jörg Rotter und seine beiden Amtsvorgänger Roland Kern und Alfons Maurer zu einer Gesprächsrunde gebeten.

Rund eine Stunde lang umkreiste das Trio das Stichwort „Breidert“, doch auch die Rödermärker Stadtentwicklung in Gänze wurde unter die Lupe genommen. Auffällig war, dass die Devise „Weniger kann manchmal mehr sein“ alle Redebeiträge wie ein roter Faden durchzog.

Alfons Maurer erinnerte an die ursprünglichen Breidert-Visionen: Frankfurter Peripherie-Siedlung mit Hochhäusern der Kategorie „20 Stockwerke plus X“, eingebettet in ein auf Turbowachstum getrimmtes Umfeld mit 60.000 Einwohnern, die damals alleine für das heutige Rödermark-Gebiet angedacht gewesen seien. „Ökologie war seinerzeit in der öffentlichen Meinung doch weitgehend uninteressant. Danach hat niemand gefragt“, betonte Maurer und zeigte sich zugleich erleichtert über den Sinneswandel, der die Gemeindevertreter zu guter Letzt dazu gebracht habe, die Breidert-Planung zwei bis drei Nummern kleiner in Angriff zu nehmen. Wohlbedacht sei dieser Schritt gewesen. „Die Vernunft hat noch rechtzeitig eingesetzt“, schmunzelte Maurer im Rückblick.

Über den Anschluss des Viertels an den Rödermarkring und die heftigen Debatten, die das Projekt einst entfacht hatte, wurde Roland Kern befragt. Sein Fazit: „Die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Bau der Umgehungsstraße vereinbart und umgesetzt wurden, waren ein Segen.“ Für Mäßigung und Balance seien die Weichen gestellt worden. „Denn immer nur mehr und mehr Wachstum – wo bitteschön“, fragte Kern rhetorisch, „sollte das hinführen?“

Jörg Rotter schlug den Bogen zur Gegenwart. Sein Plädoyer funkte mit dem Tenor der beiden Ehrenbürgermeister auf einer Wellenlänge. Es sei richtig, dass Rödermark im Gegensatz zu manch anderer Kreiskommune einen moderat-defensiven Kurs eingeschlagen habe, was Siedlungszuwachs betreffe. Viele Aspekte seien bei alledem zu berücksichtigen: Leerstände aktivieren, Wohnqualität erhalten, mit der Infrastruktur Schritt halten…

Alle Beteiligten der Dialog-Veranstaltung waren sich einig: Wie groß die Herausforderungen in dieser Hinsicht seien, zeige exemplarisch der aktuelle Blick auf das Breidert. Modernisierung und Ausbau der Grundschule seien glücklicherweise beschlossene Sache. Doch viel Energie müsse darüber hinaus investiert werden, um das Etikett „Fit für die Zukunft“ auch in anderen Bereichen zu untermauern, beispielsweise dann, wenn von Geschäften, Restaurants und wichtigen Einrichtungen wie dem Ärztehaus die Rede sei.

Apropos „Zukunft“… Die Breidert-Initiative nutzte das Ausstellungs-Wochenende, um die Besucher zu mobilisieren, frei nach dem Motto: „Ideen und neue Aktivposten für die Siedlung von morgen – das alles können wir gut gebrauchen.“

Entschieden wurde außerdem, dass es relativ zeitnah eine Neuauflage des Breidert-Buches geben soll. Wer sich also etwas Bleibendes zum Nachblättern sichern möchte, kann bei Karlheinz Weber ein Exemplar reservieren. Potenzielle Käufer schreiben eine E-Mail an khwebert-online.de.

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Rudolf Borek (links) und Karlheinz Weber (rechts) von der Initiative „Wir sind Breidert“ begrüßten den amtierenden Bürgermeister Jörg Rotter und seine beiden Amtsvorgänger Roland Kern und Alfons Maurer zu einer Gesprächsrunde anlässlich der Ausstellungseröffnung.
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