Kulturhalle

Wiesbadener mit Wiener Melange: Warmherzig und wohltemperiert

Johann-Strauss-Orchester aus der Landeshauptstadt überzeugte beim Neujahrskonzert in Rödermark mit großer Spielfreude

Klassiker, liebgewonnenes Ritual, Besuchermagnet: Mit dem traditionellen Neujahrskonzert ist in der Kulturhalle der Veranstaltungsreigen mit der Kennziffer 2026 eröffnet worden. Vor 670 Gästen im ausverkauften Saal musizierte das Johann-Strauss-Orchester Wiesbaden unter der Leitung von Jud Perry just so, wie man es nun schon seit einiger Zeit bei den Gastspielen in Rödermark kennt: wohltemperiert und herzerwärmend, ohne exaltierte Ausreißer-Passagen, immer weich federnd mit schöner Balance und Klangfülle.

Ob beim schwungvollen Auftakt mit „Wien bleibt Wien“, bei der obligatorischen Lobeshymne auf die „Schöne blaue Donau“ oder der mit viel Gefühl auf die Saiten gezupften Pizzicato-Polka: Das Ensemble aus der Landeshauptstadt überzeugte einmal mehr mit großer Spielfreude. Bei der Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“ wurden die Kontrabässe gedreht, bei den Zugaben marschierte plötzlich die Querflötistin ins Rampenlicht… Und überhaupt: Meister Perry auf dem Dirigentenpult hielt seinen Klangkörper über mehr als zwei Stunden in guter Konzentration bei Laune, animierte auch mal zum Stampfen oder zum Auf und Nieder der Bläser- und Streicher-Sektionen.

Fazit: Die Hommage an Johann Strauss Vater und Sohn, Franz Lehár, Franz von Suppé und andere prominente Vertreter der goldenen Operetten- und Walzerepoche war durchzogen von sicht- und hörbarer Freude am Musizieren. Das Publikum durfte sich zurücklehnen, genießen, ein bisschen schwelgen und beim Radetzky-Marsch kurz vor der Ziellinie lebhaft mitklatschen.

Ausdrucksstarke Solisten

Garanten für gute, kurzweilige Unterhaltung unter professionellen Vorzeichen waren auch die ausdrucksstarken Solisten Tatjana Charalgina (Sopran) und Manfred Fink (Tenor) sowie Moderator Rainer Zagovec, der sich 2026 von der Bühne verabschieden wird und deshalb ein letztes Mal als charmanter und sachverständiger Conférencier zur Jahresbegrüßung in die Stadt an der Rodauquelle gekommen war.

Indes: Eine dann definitiv letzte Ehrenrunde in Rödermarks „gut Stubb“ wird Zagovec noch drehen. Zum Vormerken: Für den 27. März ist ein „Freudenfest der Klassik“ (Oper, Operette, Liedgesang) als rauschend-glanzvoller Abschied für den beliebten 86-jährigen Altmeister anberaumt worden. Langjährige Weggefährten, Schüler und Überraschungsgäste werden dabei sein. „Großer Bahnhof“ lautet das Motto. Noch sind Karten im Vorverkauf erhältlich, Telefon 06074 911-655 oder per E-Mail ordern: www.kulturhalle@roedermark.de.

Übrigens: Für Bürgermeister Jörg Rotter gab es gleichsam ein Praliné vorab, ehe die Wiener Melange kredenzt wurde. Nach seinen Begrüßungsworten erschien die Erste Stadträtin Andrea Schülner auf der Bühne und gratulierte mit herzlichen Worten und kleinen Glücksbringern für 2026. Anschließend intonierte das Orchester ein paar passende Takte zum 51. Geburtstag des Verwaltungschefs – und natürlich war der Buchstabe W auch dabei Richtschnur und Taktgeber: Wohlfühlklänge zum Wiegenfest.