Reichlich Frage- und Redebedarf hatten die rund 130 Rödermärkerinnen und Rödermärker, die zur Bürgerversammlung in die Kulturhalle gekommen waren. Der auf die Wand projizierte Zeitplan war schnell überholt. 66 Fragen waren in den Wochen seit der Ankündigung der Versammlung schriftlich eingereicht worden. Manches konnte thematisch zusammengefasst werden, manches wiederholte sich. Ordentlich Sitzfleisch war also gefragt. Zumal es nach der Beantwortung des per Mail an den Magistrat Herangetragenen ganz am Ende noch in eine – wenn auch kurze – mündliche Fragerunde ging. Fast bis 23 Uhr standen Bürgermeister Jörg Rotter (CDU) und Erste Stadträtin Andrea Schülner (AL/Die Grünen) schließlich fleißig Rede und Antwort.
Mehrere Rödermärker hätten sich gewünscht, dass die Stadt früher mit Informationen über die „desaströse Finanzsituation“ an die Öffentlichkeit getreten wäre. Man habe stets umfangreich und transparent informiert, entgegnete Kämmerin Andrea Schülner. Erst 2025 habe sich die Wirtschaftslage „massiv eingetrübt“. 2026 werde es sicher zur nächsten Grundsteuererhöhung kommen, vermuteten mehrere Fragesteller. Keine hessische Kommune wisse derzeit, mit welchen finanziellen Mitteln sie im kommenden Jahr ausgestattet sein werde, betonte Schülner. Seriös könne zum jetzigen Zeitpunkt über eine mögliche Erhöhung deshalb nicht diskutiert werden.
Bei Fragen zum städtischen Stellenplan und Vorwürfen unverhältnismäßiger Steigerungen verwies Bürgermeister Rotter auf eine Wiederbesetzungssperre von sechs Monaten für dauerhaft freiwerdende Stellen in der Verwaltung hin, mit Ausnahme des Bereichs der Kinderbetreuung. In allen Bereichen versuche man, die Arbeit besser zu organisieren. Von der bevorstehenden Eingliederung der Kommunalen Betriebe in die Stadtverwaltung erhofft sich der Rathauschef Synergieeffekte und Einsparungen. Rotter gab aber zu bedenken, dass die Stadt, anders als Unternehmen in der freien Wirtschaft, Pflichtaufgaben erfüllen muss. „Wir können im Gegensatz zu einem Unternehmen nicht einfach ein Produkt vom Markt nehmen.“ Eine Pflicht, der man sich gerne unterziehe, sei etwa die Kinderbetreuung. Hier sei der Großteil der in den letzten Jahren neugeschaffenen Stellen angesiedelt. Personal habe man außerdem im Bereich der IT und in der Bauverwaltung aufbauen müssen. „Baugebiete, Gewerbegebiete, Umgehung Urberach, Städtebauförderung – die Arbeit war hier war einfach nicht mehr zu schaffen.“
Mit Blick auf Forderungen nach einem Baustopp der schon vor Jahren beschlossenen Stadtumbauprojekte verwies Rotter noch einmal darauf, dass dann die Zwei-Drittel-Förderung wegfallen würde und die Stadt für alle bislang angefallenen Kosten alleine aufkommen müsste. Am Ende würde man noch draufzahlen und hätte gar nichts.
Gefragt wurde auch, warum denn weiter am „Luxusprojekt“ Hopper festgehalten werde. Abgesehen davon, dass der Hopper ein Projekt des Kreises sei, finde er sehr guten Anklang bei der Bevölkerung, meinte Andrea Schülner mit Blick auf wachsende Nutzerzahlen quer durch alle Altersgruppen. Der öffentliche Personennahverkehr sei eine Aufgabe des Landkreises. Bei einer Einstellung des Hoppers, der bei Bedarf fährt, müssten möglicherweise als Ersatz teurere Busse eingesetzt werden, um die Aufgaben zu erfüllen.
Die Instandsetzung und Nutzung der stationären Blitzer könnte doch die städtische Einnahmesituation verbessern, regten mehrere Fragesteller an. Für feste Blitzeranlagen sei die Genehmigung durch übergeordnete Stellen erforderlich, entgegnete Schülner. Wenn dies der Fall sei, werde man sich nicht dagegen wehren, denn die Installation von Blitzern orientiere sich vor allem an Sicherheitsaspekten. Für eine Haushaltskonsolidierung seien diese Einnahmen aber eher nicht geeignet.
Eine Frage zur Ausweisung neuer Gewerbegebiete nahm Jörg Rotter zum Anlass, auf die neuen Flächen an der Kapellenstraße und auf dem Hainchesbuckel hin. „Das sind die ersten Rödermärker Gewerbegebiete seit der Gebietsreform. Wir tun, was wir können, werden aber auch nicht mehr massiv wachsen können.“ Hier gelte es nämlich, Vorgaben des Planungsverbandes zu beachten.
Kritisch wurde von mehreren Bürgern angemerkt, dass die Stadt das Traditionsgasthaus „Schasser“ in Urberach vor ein paar Jahren gekauft hat, dieses seitdem aber leer steht. Ziel sei es, eine Gesamtentwicklung für den Ortskern von Urberach in Gang zu setzen, hob Rotter hervor. Er wünsche sich auch künftig eine Gastronomie im Schasser. Dies brauche aber noch Zeit und einen Investor. Außerdem müsse man zusätzliche Grundstücke erwerben. Generell sei der Erwerb eines Grundstücks eine werthaltige Investition.
Mit Blick auf die städtischen Finanzen liefen derzeit schon die Sparrunden für künftige Haushalte, berichtete der Bürgermeister. „Wir dürfen uns in dieser schwierigen Situation aber auch nicht kaputtsparen. Wir können nicht alles zuschließen, nicht alles aufgeben.“ Man brauche einfach Beinfreiheit für kommunale Selbstverwaltung. „Von der sind wir derzeit weit entfernt. Wir sind absolut fremdbestimmt!“