Es sei dringend erforderlich, die Botschaft der Kampagne „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ mit Nachdruck öffentlich in Erinnerung zu rufen. Das erklärte Zahide Demiral, die Vorsitzende des Rödermärker Ausländerbeirats, in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung.
Im gerade angelaufenen Kommunalwahlkampf sei versucht worden, just das Stichwort „Respekt“ zu skandalisieren. Die Behauptung, es sei „politische Bevormundung“ im Spiel, habe für Schlagzeilen gesorgt, erläuterte Demiral. Der Ausländerbeirat sei alarmiert, antworte mit einer Resolution und bitte die Stadtverordneten, sich dieser Erklärung anzuschließen.
Mit großer Stimmenmehrheit wurde das Papier verabschiedet. Auch Bürgermeister Jörg Rotter hatte vor der Abstimmung dafür geworben, ein klares Bekenntnis für Respekt, Menschenwürde und gleichberechtigtes Miteinander zum Ausdruck zu bringen. Seine Beobachtung: Wenn immer stärker polarisiert und das gesellschaftliche Klima aufgeheizt werde, wenn es verbale Verrohung im digitalen Raum gebe und gar einen anonymen Drohbrief, der in der aktuellen Fastnachtskampagne für Bestürzung gesorgt habe – dann, so Rotter, werde eine rote Linie überschritten.
Er sei nicht nur als Bürgermeister verpflichtet, seine Stimme gegen solche Auswüchse zu erheben. Er spüre auch als Familienvater eine Verantwortung, machte Rotter deutlich. „Ich möchte nicht, dass mich meine Kinder eines Tages fragen: Papa, warum hast Du damals zu all diesen Dingen geschwiegen?“
Nachfolgend die Erklärung im Wortlaut
„Die Stadtverordnetenversammlung beschließt auf Vorschlag des Ausländerbeirats und des Magistrats folgende Resolution:
Ein Zeichen für faires, gleichberechtigtes Miteinander aller Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in Rödermark haben: Das ist die Kampagne ‚Respekt! Kein Platz für Rassismus‘, der sich die Stadt im Jahr 2020 angeschlossen hatte, wenige Wochen nach dem Attentat von Hanau, bei dem neun Frauen und Männer mit Migrationsgeschichte kaltblütig ermordet wurden.
Vereine, Kirchengemeinden, Gewerbe und Unternehmen sowie soziale Institutionen – rund 100 an der Zahl – haben sich in großer Einmütigkeit und Solidarität in die Aktion eingeklinkt. Sie bekunden mit den Respekt-Schildern, aber auch mit gelebter Haltung im Alltag, dass sie jedweder Form von Ausgrenzung, Herabwürdigung, Hass und Gewalt entschieden entgegentreten.
Die starke Beteiligung erfolgte und erfolgt auf freiwilliger Basis. Sie ist Ausdruck einer von Mitmenschlichkeit geprägten Grundüberzeugung. 2022 wurde die Stadt für diesen kollektiven Einsatz im Sinne von Verständigung und Nächstenliebe mit dem Hamza-Kurtovic-Preis ausgezeichnet. Die breiten Kreise, die die Respekt-Kampagne in Rödermark gezogen hat, finden auf regionaler Ebene positive Beachtung.
Vor diesem Hintergrund erscheint es befremdlich und verstörend, dass es im aktuellen Kommunalwahlkampf Bemühungen gibt, just dieses Thema zu skandalisieren. Mit der Behauptung, ‚politische Bevormundung‘ sei bei alledem im Spiel, wird offenkundig bewusst versucht, einen Keil in die örtliche Vereinswelt zu treiben. Die Stadtgesellschaft soll provoziert und polarisiert werden. Der Begriff ‚Respekt‘ sowie der Hinweis auf den rassistischen Anschlag in Hanau werden relativiert und kleingeredet, um in diesem trüben Fahrwasser auf Stimmenfang gehen zu können.
Wir verurteilen dieses Manöver und unterstreichen unmissverständlich, dass die Respekt-Kampagne zum Vorteil unserer Kommune angestoßen wurde und aktiv praktiziert wird. Wichtige Denkanstöße hat das Projekt geliefert, die Vernetzung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefördert und ein gemeinsam formuliertes Bekenntnis ins Rampenlicht gerückt.
Wir bekräftigen diese Überzeugung. Mit dieser vorgelegten Resolution machen wir deutlich, dass an unserem Wertekompass nicht zu rütteln ist. Es bleibt dabei: ‚Respekt! Kein Platz für Rassismus und Gewalt‘ – das ist die Maxime für gemeinschaftliches Handeln. Eine Richtschnur, von der sich Rödermark leiten lässt.“