Wer sich mit perlender Walzermusik, prickelnden Polkaklängen und populären Operetten-Arien festlich ins neue Jahr hineinkatapultieren lassen möchte, findet traditionell in Rödermark eine erstklassige Adresse für solch ein Startschuss-Ritual. Die Rede ist vom Neujahrskonzert, das auch bei der Auflage mit der Kennziffer 2025 wieder alle Register zu bieten hatte. Im vollbesetzten Saal der Kulturhalle wurde mit vielfarbigen „Rosen aus dem Süden“ in wunderbar duftig-dichter Klangqualität nicht gegeizt. Alles in der gewohnt stimmigen Aufmachung, frei nach dem Motto „Wien zu Gast bei Freunden, Donau meets Rodau“.
Das Johann-Strauss-Orchester Wiesbaden unter der Leitung von Jud Perry huldigte dabei vornehmlich Johann Strauss (Sohn). Jenem 1825 geborenen Komponisten- und Kapellmeister-Maestro also, der es zeit seines Lebens verstand, eben nicht nur als Künstler, sondern auch als rühriger Musik-Unternehmer ein Imperium mit Strahlkraft und Nachhall zu hinterlassen. Jetzt, da es im Oktober 2025 seinen 200. Geburtstag zu würdigen gilt, steht seine Musik noch ein bisschen intensiver im Fokus als ohnehin üblich.
Mit dem „Frühlingsstimmenwalzer“, dem „Perpetuum Mobile“ und „An der schönen blauen Donau“, der Strauss’schen Erkennungsmelodie par excellence, schöpfte das Ensemble bei der Stücke-Auswahl aus dem Vollem. Insgesamt war der Klassiker der leichten Klassik schlussendlich mit rund zehn Titeln auf dem Konzert-Fahrplan vertreten. Leicht und locker hätte natürlich das komplette Programm mit Strauss Sohn gefüllt werden können, doch nach der Pause blieb auch noch Platz für andere, „artverwandte“ Komponisten wie Franz Lehár und Josef Strauss, Johanns zwei Jahre jüngeren Bruder.
Bemerkenswert, mit welch harmonisch-weicher Diktion das Orchester agierte. Nie effekthascherisch-prahlerisch überzogen, was bei den Strauss-Werken eine allzu leichte Versuchung sein könnte. Stattdessen: Immer fein nuanciert und wunderbar transparent, mit Klang- und Hörraum für alle, von der großen Pauke bis hin zum kleinen Triangel – so spielten sich die Gäste aus Wiesbaden in die Herzen des Rödermärker Publikums.
Die Solisten reihten sich nahtlos ein. Ausdrucksstark und glasklar bis in höchste Höhen präsentierten sich die ungarische Koloratursopranistin Lilla Galambos und der aus Mexiko stammende Tenor Oscar de la Torre bei ihren Auftritten im Scheinwerferlicht der Bühne. Just dort stand auch wieder Moderator Rainer Zagovec und führte gewohnt schillernd durchs Programm: Mit glitzerndem Sakko, großem Musiksachverstand und anekdotenhaftem Zungenschlag, kurzweilig und lehrreich zugleich.
Fazit nach dem Radetzky-Marsch, der obligatorischen Mitklatsch-Zugabe: Auch Zagovec ist ein echter Trumpf beim Aufgalopp im Dreivierteltakt. Er fächert auf, was im Klangstrauß steckt, bindet zusammen und überreicht das Ganze charmant-nonchalant. So hat das Neujahrskonzert einmal mehr eine Brücke vom alten ins neue Jahr geschlagen.
Was 2024 in der Sparte „Konzert“ mit einem viel beklatschten Auftritt der Formation „The 12 Tenors“ unter Pop-Klassik-Crossover-Vorzeichen zu Ende gegangen ist, blüht nun 2025 in der Kulturhalle munter weiter. Exemplarisch genannt, zum Vormerken, weil der Termin allmählich näher rückt: Für „Anouk“, ein Kindermusical aus der Feder von Peter Maffay und Hendrikje Balsmeyer, hebt sich am Samstag, 15. Februar, um 15 Uhr der Vorhang.
Eintrittskarten können unter der Rufnummer 06074 911-655 reserviert oder im Internet geordert werden. Dort gibt es alle Informationen zum Spielplan auf der Seite www.kulturhalle-roedermark.de.