Petrus muss ein… Richtig: Orwischer sein! Diese örtliche Volksweisheit bestätigte sich einmal mehr, denn auch die Kerb des Jahres 2026 konnte im Urberacher Ortskern vier Tage lang bei bestem Spätsommerwetter gefeiert werden. So ist es nahezu ungetrübte Tradition im Rödermärker Westen. Und wie erklärt sich dieses meteorologische Glück in Serie? Ganz simpel: Der Kirchweih-Termin am ersten Septemberwochenende ist einfach passend, denn er garantiert eine gewisse Distanz zu extremen Hitzephasen und den ersten Herbstblues-Tagen mit Regen und Sturm.
Also denn: Wieder beste äußere Bedingungen für alle, die auf der gesperrten Ortsdurchfahrt rund um die Karussells, Buden und Vereinszelte in gemütlicher Runde verweilen wollten. Und das waren Menschen in Scharen, auch auswärtige Gäste, die vom Programm mit Bewirtung, viel Live-Musik und Brauchtumspflege angezogen wurden.
Anstich mit wenigen Hammerschlägen
Apropos Brauchtum: Den obligatorischen Bier- und Ebbelwoianstich beim offiziellen Auftakt am Samstagnachmittag meisterten Bürgermeister Jörg Rotter und die Erste Stadträtin Andrea Schülner souverän mit wenigen Hammerschlägen. Über der Szenerie thronte hoch oben im bunt geschmückten Baum der diesjährige Kebborsch „Pater Klaus“, gleichsam als Zeichen der Wertschätzung für Pfarrer Klaus Gaebler, der sich von seinen katholischen Glaubensschwestern und -brüdern in nicht allzu ferner Zukunft in Richtung Seelsorger-Ruhestand verabschieden wird.
Ein zweites Herzstück in Sachen Tradition konnte am Sonntagnachmittag bestaunt und beklatscht werden. Kerbvadder Victor Gruhl, der gemeinsam mit 30 weiteren Borsche und Meedsche den 26er-Jahrgang der Strohhut- und Schärpenträger bildete, sparte bei der Kerbspruchverlesung nicht mit Seitenhieben auf die Kommunalpolitik. Die Finanzprobleme der Stadtverwaltung und einschneidende Strukturreformen bei den Kirchengemeinden – das waren zwei zentrale Themen, die zur Sprache kamen. Tenor der dialektsicher, launig-stilvoll und manchmal auch mit nachdenklichen Untertönen vorgetragenen Rede: „Leute, wir leben in einer unruhig gewordenen Zeit…“
Reichlich Lob gab es an den Tischen der großen Open-Air-Festmeile zwischen Dalles und Sparkasse für alle, die sich solch ein Dankeschön redlich verdient hatten: ehrenamtlich engagierte Vereinsvertreter in großer Zahl, die von Thomas Herrmann angeführte Kerbkommission, Moderator Werner Popp sowie viele helfende Hände aus den Reihen der Stadtverwaltung, die von B wie Betriebshof bis O wie Ordnungsamt wieder logistische und sicherheitstechnische Unterstützung in bewährt umfangreicher Bandbreite garantierte.
Fazit: Kerb ist, wenn alle gemeinsam anpacken und zusammen Spaß haben. Und „nach der Kerb“ heißt in Rödermark bekanntlich „bald wieder Kerb“. Vom 25. bis 28. September lockt die Oweräirer Version ins dortige Zentrum. Zwei Stadtteile, eine Philosophie: Bewährtes pflegen, auch und gerade dann, wenn der Kompass der Zeit auf „wankelmütig“ steht.