Zum Neujahrsempfang 2026 hatte die Stadt Rödermark in die Kulturhalle eingeladen. Rund 350 Gäste waren mit von der Partie. Sie erlebten ein zweistündiges Programm mit Begrüßungssekt, Live-Musik (im Rampenlicht: das Orchester des Musikvereins 03 Ober-Roden) sowie Mut machenden Worten von Ehrengast Florian Sitzmann und einer Ansprache von Bürgermeister Jörg Rotter. Eine Ansprache, die gleichermaßen als Standortbestimmung und Ermunterung zu sozialem Engagement formuliert war.
Nachfolgend der Redetext des Bürgermeisters:
„Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste des Neujahrsempfangs 2026,
zu dem die Stadt Rödermark eingeladen hat,
ich begrüße Sie sehr herzlich in der Kulturhalle.
Es ist schön, dass Sie derart reges Interesse zeigen
und unserer Einladung gefolgt sind.
Ihnen allen wünsche ich Gesundheit, Glück und gutes Gelingen
für das neue Jahr, das gerade dabei ist, so richtig auf Touren zu
kommen.
Erlauben Sie mir zunächst, einige der Anwesenden
namentlich willkommen zu heißen.
Wir freuen uns sehr, dass Landrat Oliver Quilling heute zu uns
nach Rödermark gekommen ist. Lieber Herr Quilling, vielen Dank, dass Sie Platz in Ihrem
Terminkalender für diese Veranstaltung gefunden haben.
Gleiches gilt für den Kreisbeigeordneten Herrn Alexander Böhn:
Ein freundliches Willkommen hier in unserer „guten Stube“.
Ich begrüße außerdem Stadtverordnetenvorsteher Sven Sulzmann,
die Ehrenbürgermeister Alfons Maurer und Roland Kern
sowie Martin Burlon, meinen Bürgermeister-Kollegen aus der Nachbarstadt Dreieich.
Und natürlich, um diesen Vorspann abzurunden, freuen wir
uns alle hier im Saal auf das Orchester des Musikvereins 03
Ober-Roden, das für den akustischen Rahmen sorgen wird.
Last, but not least: Florian Sitzmann ist zu uns gekommen,
der Protagonist dieses frühen Abends.
Er ist unser ganz spezieller Mutmacher für das noch junge Jahr
2026. Und wegen ihm, davon bin ich überzeugt,
sind bestimmt viele Menschen heute gekommen.
Sie wollen hören, was er uns zu berichten hat und welche
Gedanken ihn beschäftigen. Nachher erfahren wir gleich noch
etwas mehr zu seiner Biografie.
Fürs Erste sage ich nur: Sehr schön, dass Sie da sind.
Herzlich willkommen, Florian Sitzmann!
Meine Damen und Herren,
so ist es nun wieder mein Part, auf diese traditionelle
Startschuss-Veranstaltung im Januar einzustimmen.
Mit ein paar Gedanken, die – wenn ich Glück habe –
in Ihren Köpfen noch eine Zeit lang nachhallen.
Eben so, wie Sie das kennen. Aber mit welchem Tenor für 2026?
Liebe Gäste: Ich kann und will an dieser Stelle gar nicht lange um den heißen
Brei herumreden.
Die weltpolitischen Entwicklungen sind turbulent, um es mal
diplomatisch zu formulieren.
Die gedämpften Konjunktur-Aussichten, die großen strukturellen
Aufgaben in unserem Land, die fiskalischen und sozialen
Herausforderungen, die eklatante Finanznot der Kommunen,
die es dringend zu lindern gilt:
All diese Aspekte gesellen sich hinzu zur ungemütlichen
Großwetterlage auf unserem Planeten.
Und was, ja was will Ihnen nun ein Bürgermeister in Anbetracht
dieses unschönen Schlagzeilen-Gewitters mit auf den Weg
geben?
Welche Möglichkeiten hat der Einzelne, ob im Rathaus, an irgendeinem
anderen Arbeitsplatz, in der Familie oder im Freundeskreis?
Nun denn, ich will es für mich und für meine Kolleginnen
und Kollegen mal ganz bescheiden und doch zugleich auch
anspruchsvoll und unverzagt auf den Punkt bringen:
Wir bleiben am Ball!
Wir lassen die Köpfe nicht hängen!
Wir waren, sind und bleiben engagiert im Einsatz für die
Gemeinschaft und die Menschen hier vor Ort!
Und warum ist das so? Weil wir wissen, dass es so unglaublich
viele positive Dinge gibt.
Etwas, das uns verbindet, das uns menschlich berührt,
das uns antreibt.
Ehrenamtlich Engagierte in der Vereins- und Kulturwelt in sehr
großer Zahl. Leute, die die Ärmel hochkrempeln und wichtige
wirtschaftliche Impulse in unseren Rödermark-Kosmos einfließen
lassen.
Menschen auf dem sozialen Terrain, die – salopp formuliert –
den ganzen Laden tagtäglich am Laufen halten.
Für die Kleinsten in unserer Gesellschaft, für die Senioren.
Kurzum: Für alle, die sich hier zu Hause fühlen und Heimat spüren!
Und auch den Stillen und Unscheinbaren, die leider allzu oft
übersehen werden, gilt in diesem Zusammenhang meine
Aufmerksamkeit:
Denjenigen, die nicht im Rampenlicht stehen und dennoch so viel leisten für
den Zusammenhalt.
Beispielsweise dann, wenn sie Angehörige zu Hause pflegen,
für Nachbarn Besorgungen machen oder als Grünpaten etwas sehr
Sinnvolles für die Pflege des öffentlichen Raums tun.
Meine Damen und Herren,
das alles sind Beispiele und Stichworte, die uns ermuntern.
Die uns Kraft geben und uns nachdrücklich daran erinnern,
was unter schwierigen, angespannten Vorzeichen unabdingbar ist:
konstruktives Miteinander, Dialog und Kompromiss,
gemeinschaftliche Anstrengung und Schulterschluss.
Gibt es eine vernünftige Alternative dazu?
Ich sage ganz klar:
Nein, natürlich nicht!
Aber leider betonen wir all diese Notwendigkeiten meiner
Meinung nach viel zu wenig.
Stattdessen ist in unseren Alltag ein Gift eingesickert.
Ich spreche von den schlechten, gefährlichen Seiten der Sozialen
Medien. Sie haben praktischen Nutzen mit einer Vielzahl von
Diensten – ganz unbestritten.
Aber sie erzeugen mit vielen ihrer Plattformen eben auch einen
ganzen Kanon von Negativ-Entwicklungen:
Suchtverhalten, verbale Aggression, gesellschaftliche Spaltung,
Vereinsamung. Ich finde, es ist traurig und in höchstem Maße
alarmierend zugleich, dass wir dieses sickernde Gift bislang
nicht eindämmen konnten.
Im Gegenteil: Die Problematik wächst – und ich habe den
Eindruck, wir reden sie viel zu häufig auch noch groß
und orientieren uns daran.
Von einer Mücke, die im digitalen Netz zu einem Elefanten
aufgeblasen wird, lassen wir uns manchmal treiben und
gedanklich beherrschen. Ich sage es deshalb an dieser Stelle ganz unverblümt:
Haben wir denn völlig den Kompass verloren?
Können wir nicht endlich das reale Leben wieder in den
Vordergrund rücken?
Warum verschwenden wir so viel Zeit in den Schattenwelten des
Virtuellen?
Ich sage bewusst „wir“, weil ich weiß, dass sich kaum ein Mensch
in unserer global verflochtenen Welt von all diesen Schaufenstern
der Eitelkeiten, Boshaftigkeiten und Belanglosigkeiten so einfach
freisprechen und lösen kann.
Ja, aber, und das ist mein Wunsch heute bei diesem
Neujahrsempfang, ehe nun gleich meine Kollegin, die Erste Stadträtin
Andrea Schülner, etwas zur Vita von Florian Sitzmann sagen wird…
Ja, aber: Sie alle hier im Saal sind meine Mutmacher für 2026.
Sie sind Multiplikatoren, strahlen aus in die Stadtgesellschaft,
jede und jeder in ganz unterschiedlicher Art und Weise.
Meine Bitte am Ende dieser Ansprache lässt sich deshalb ganz
kurz und prägnant formulieren.
Liebe Gäste hier in dieser großen Runde:
Bleiben Sie Aushängeschilder für das reale Leben in unserer
Stadt!
Verlieren Sie sich nicht in Nebensächlichkeiten,
sondern helfen Sie ganz konkret mit, wenn es darum geht,
sozialen Zusammenhalt zu bewahren,
hier in Rödermark und über die Stadtgrenzen hinaus.
Ich denke, Sie alle haben meine Kernaussage sehr wohl
verstanden.
Sie mag klein und bescheiden erscheinen in
Anbetracht des großen Berges von Aufgaben, die vor uns liegen.
Aber ich behaupte unverdrossen:
Mit dieser kleinen Botschaft fängt alles an.
Wir selbst haben so viel in der Hand.
Wir selbst entscheiden,
wohin es gehen soll an den Scheidepunkten unserer Zeit.
Wir selbst können viele Dinge zum Guten verändern!
Erinnern wir uns daran. Und noch viel wichtiger:
Handeln wir dementsprechend!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."