Stadtleben

Kritik- und Pluspunkte: Klartext auf der Couch

Bürgermeister hatte guten Dialog-Termin in Waldacker – Bilanz der Planer: „Echter Mehrwert für alle, die dabei waren“

Zu einem guten Dutzend Interessierter, die den „Plausch auf der Couch“ im Bürgertreff Waldacker verfolgten, zählte Ursula Heinze. Für die ehemalige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung war’s ein Wiedersehen mit Bürgermeister Jörg Rotter. So soll es sein: Das petrol-farbene Sofa als Brückenschlag in die Stadtteile. Foto: Stadt Rödermark

Foto: Stadt Rödermark

Foto: Stadt Rödermark

Wo drückt der Schuh im nördlichsten der fünf Rödermark-Stadtteile? Unübersichtliche Einmündungen auf der Ostseite der Hauptstraße, Ärger über manchmal zu schnelle und laute Autofahrer in den Nachtstunden, neuralgische Punkte im Hinblick auf den Parkverkehr und die ziemlich rar gesäten Querungsmöglichkeiten für Fußgänger auf der zentralen Achse: Viele Themen kamen zur Sprache, als Bürgermeister Jörg Rotter kürzlich zum „Plausch auf der Couch“ im Bürgertreff Waldacker vorbeischaute.

In sachlich-konstruktiver und freundlich-offener Manier wurde rund 75 Minuten lang über all das gesprochen, was die Fragesteller im Publikum tagtäglich in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld beobachten. Dabei zeigte sich, dass das neue Dialog-Format im wahrsten Sinne des Wortes barrierefrei funktioniert. Auf Augenhöhe und ohne Berührungsängste: So präsentiert sich der Verwaltungschef, gibt Auskunft und notiert bei Bedarf auch Stichworte zum Nachhaken in den kommunalen Fachbereichen, wenn er mit dem petrolfarbenen Sofa aus dem Foyer des Rathauses Ober-Roden durch Rödermark tourt.

„Bauturbo“: Neue Optionen 

Erwähnung fand erwartungsgemäß ein neuer Tempo-Blitzer, der in Höhe des Geldautomaten an der Einmündung „Am Lerchenberg“ installiert werden soll, nachdem die übergeordneten Genehmigungsbehörden dafür grünes Licht signalisiert haben. Thematisiert wurden außerdem die limitierten Möglichkeiten für Umbau-, Umwidmungs- und Nachverdichtungsmaßnahmen auf Privatgrundstücken. Rotter verwies in diesem Zusammenhang auf neue Optionen, die sich im Zuge der Starts der bundesweit ausgerufenen Offensive „Bauturbo“ auftun werden.

Er wolle die aufgezeigten Probleme und Kritikpunkte nicht wegmoderieren oder gar leugnen. Es gehe ihm vielmehr darum, bestmögliche Lösungsansätze zu finden, auch dann, wenn manchmal nur Kompromisse oder kleine Linderungen denk- und machbar seien. So klang Rotters Credo, doch er machte zugleich auf dicke Pluspunkte aufmerksam, die für die Menschen in Waldacker erst kürzlich geschaffen und planerisch auf den Weg gebracht worden seien.

Die attraktiv ausgebaute Strecke für Radler und Spaziergänger auf dem verlängerten Eulerweg Richtung Kreisquerverbindung; und die Vision eines insbesondere für den Rödermärker Norden sehr vorteilhaften REWE-Marktes in topmoderner Aufmachung, die in den Folgejahren zur Umsetzung reifen solle: Das, so der Verwaltungschef, seien Beispiele für gute Infrastrukturpolitik.

Angespannte Haushaltslage

Auch zur drastisch angespannten Haushaltslage der Kommunen äußerte sich Rotter. Darauf angesprochen, erinnerte er an das bei der Kinderbetreuung massiv aus der Balance geratene Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, der bezahlt“) und redete Klartext: „Wenn sich der Bund und das Land Hessen bei diesem Thema nicht endlich ernsthaft hinterfragen, laufen wir an die Wand. An der Steuerschraube zu Lasten der Bürger zu drehen – diese Notmaßnahme ist endlich. Wir agieren“, so die kämpferische Botschaft des Mannes auf der Couch, „als kommunale Familie gemeinsam mit anderen Städten und Gemeinden im engen Schulterschluss und sind auch für juristische Auseinandersetzungen gewappnet.“

Vorbereitet und begleitet werden die Sofa-Termine vom kommunalen Fachdienst für Wirtschaftsförderung und Kommunikation. Dessen Leiter Till Andrießen zeigte sich nach dem Gastspiel in Waldacker sehr zufrieden. Sein Kommentar im Namen der Planer: „Alle, die dabei waren und das Angebot zum Meinungsaustausch genutzt haben, hatten einen echten Mehrwert. Es gab ehrliche Antworten und es wurden Ansprechpartner der Stadtverwaltung für konkrete Sachverhalte vermittelt. Genau so, in dieser produktiven Art und Weise, darf es gerne weitergehen.“

Fortgesetzt wird „Plausch auf der Couch“ am 24. Juni 2026 ab 17 Uhr mit einer Open-Air-Variante auf dem Häfnerplatz in Urberach. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es auf der Homepage der Stadt: roedermark.de/dialog-couch.