Dass gute öffentliche Bibliotheken heutzutage viel mehr sind als die klassischen Ausleihstationen des 20. Jahrhunderts – eben diese Feststellung ist längst eine Binsenweisheit. Gemütlicher Treffpunkt, Ort für Kommunikation und Austausch, Plattform für kulturelle Vermittlung von A wie Audiovisuelles über B wie Buch und G wie Gaming bis hin zu Z wie bunte Zauberwelten für den Nachwuchs: Das alles sollen die Gemeinde- und Stadtbüchereien im besten Falle vollumfänglich abdecken, wenngleich die angespannte Finanzsituation der Kommunen die Herausforderungen nicht kleiner werden lässt.
Apropos Gaming: Im Bücherturm an der Trinkbrunnenstraße gibt es seit geraumer Zeit eine technische Grundausstattung für Videospiele. Im Untergeschoss könnte dieses Angebot für Kinder ab sechs Jahren alsbald richtig in die Gänge kommen. „Wir kümmern uns hier sozusagen um die Kleineren, während der etwas ältere Nachwuchs im Jugendzentrum am Bildschirm spielen kann. Diese Art von Aufgabenteilung schwebt uns jedenfalls vor, doch ohne Konzept und technisch-pädagogische Anleitung für unser Personal läuft die Sache nicht an. Das wissen wir – und deshalb haben wir gehandelt“, erläutert die Leiterin der Stadtbücherei, Jenny Roters.
Gehandelt, das bedeutet: Rödermark hat sich beworben und ist gemeinsam mit Friedberg und Neu-Isenburg als Pilot-Bücherei für den Bereich Gaming ausgewählt worden. Die Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken hat den Zuschlag erteilt und kümmert sich nunmehr um den Projekt-Anschub, damit rasante Rennen mit „Mario Kart“ stattfinden, Phantasiewelten à la „Minecraft“ erschaffen oder spannende Geo-Searching-Aufgaben gelöst werden können.
Brücken hin zur Realität
Was es alles gibt im großen Gaming-Katalog, wie man die Kinder dabei begleiten und auch Brücken hin zur Realität mit Bewegung und Rätselspaß schlagen kann: Das erfuhren Bedienstete der drei ausgedeuteten Einrichtungen dieser Tage bei einem Workshop in der Bücherei im Ober-Röder Ortskern. Dietlind Lembke von der in Wiesbaden ansässigen Fachstelle war gemeinsam mit dem Sozial- und Medienpädagogen Danilo Roth aus Kassel zu Gast in der Stadt an der Rodauquelle, um praktische Tipps für den Alltag mit den animierten Bildern und den jungen Konsumenten zu geben. Im Juni soll ein weiteres Treffen in Friedberg folgen.
„Es war sehr anschaulich und informativ. Wir haben selbst Spiele gespielt und darüber gesprochen. Wichtig war der Hinweis, dass Kinder in den digitalen Sphären sehr oft, rein intuitiv betrachtet, die besten Experten sind. Wir wollen deshalb ihr Wissen und ihre Urteilskraft nutzen und auch Spieletests anbieten, um zu schauen, was besonders gut ankommt“, verdeutlicht Roters, welchen Ansatz sie, der stellvertretende Bücherei-Leiter Bernhard Nowak und das Team vor Augen haben.
Eine Nintendo Switch 2 und einige Spiele erhalten die beteiligten Büchereien aus Landesmitteln der Digitalförderung. „Ziel ist es, das Gaming in der zweiten Jahreshälfte ins Laufen zu bringen. Uns schwebt dafür zunächst der Donnerstagnachmittag als Start-Zeitfenster vor, weil dann kein öffentlicher Ausleihbetrieb ist. Unsere Kapazitäten“, gibt Roters zu bedenken, „müssen wir sinnvoll bündeln.“ Oder anders ausgedrückt: Wer mit Mario und Co. unterwegs sein möchte, sollte sich professionell vorbereiten. Schön aus Rödermärker Sicht: Die Stadt ist dabei, als Test- und Vorzeigekandidat, wenn von kleineren Kommunen mit 30.000 bis 40.000 Einwohnern die Rede ist.