Stadtbücherei

Großer Einsatz für kleine Spürnasen

Wie arbeitet ein Privatdetektiv? Profi Alexander Schrumpf hat seinen Koffer aufgeklappt und Kinder im Bücherturm zum Staunen gebracht

Tatort Stadtbücherei: Ist hier eingebrochen worden? Haben die Langfinger sehr unvorsichtig agiert und viele Spuren hinterlassen? Offenkundig, denn rund 20 Jung-Detektive kommen den Übeltätern rasch auf die Schliche. Ein Detektivkoffer, den Profi Alexander Schrumpf aufklappt, liefert die dafür nötigen Gerätschaften: Pulver und Pinsel, Klebefolien und Beutel zur Beweissicherung, außerdem Lupe, UV-Taschenlampe und natürlich – falls die Ganoven noch in Reichweite sind – Handschellen für den schnellen Zugriff.

„Aber glaubt mir, das kommt nur sehr, sehr selten vor. Ich arbeite seit gut 30 Jahren als Privatdetektiv und habe rund 2.600 Fälle gelöst, musste bislang aber nur dreimal tatsächlich Leute festnehmen und zur Polizei bringen“, erzählt der Fachmann aus seinem Berufsalltag.

Observieren und überführen: Der Spezialist für eben dieses Begriffspaar war kürzlich zu Gast im Rödermärker Bücherturm an der Trinkbrunnenstraße, um dort Kinder im Alter ab acht Jahren mit einer Ferienaktion der besonderen Art zu begeistern. Eineinhalb Stunden lang waren die Jungen und Mädchen mit Feuereifer bei der Sache. Es galt den mit Tatort-Absperrband markierten Bereich akribisch abzusuchen und logisch zu kombinieren. „Und außerdem: Fragt mir Löcher in den Bauch! Für euch bin ich der Alex“, hatte Schrumpf gleich zu Beginn klargestellt. Dann konnte er beginnen, der große Einsatz der kleinen Spürnasen.

Zur Belohnung für so viel kriminalistischen Scharfsinn erhielten alle Teilnehmer der Nachmittagsrunde schlussendlich Ausweise mit dem Aufdruck „Adler-Junior-Detektive“. Damit betreibt der Mann aus Wiesbaden augenzwinkernd „Nachwuchsförderung“, denn schließlich ist er dort, in der hessischen Landeshauptstadt, seit 1996 mit seiner Detektei Adler eine etablierte, gut nachgefragte Instanz, wenn Unternehmen und Privatleute etwas diskret zu recherchieren haben.

Erstaunlich: Schrumpf schafft den Spagat zwischen seriösem Handwerk und kurzweiliger Wissensvermittlung für den Nachwuchs scheinbar mühelos. Er trifft den Ton der Kinder, weiß um ihre Triggerpunkte, agiert lehrreich und nahezu ohne erhobenen Zeigefinger. Kunststück: Zirka 2.300 Mal stand er schon als Detektiv-Erklärer vor Kindern und Erwachsenen. Routine ist also reichlich vorhanden bei diesem eloquenten Zeitgenossen, der zweigleisig fährt und bei alledem ehrlich bekennt: „Lampenfieber hab‘ ich immer, bevor es losgeht.“

Jenny Roters, die Leiterin der Stadtbücherei, die das außergewöhnliche Seminar organisiert hatte, freute sich über die gute Resonanz. Auch ihr Kollege Bernhard Nowak zeigte sich beeindruckt: „Ich hatte anfangs leichte Bedenken. Draußen schönstes Wetter – und dann 90 Minuten volle Konzentration drinnen, hier in unserem Vereinsraum. Ob das wohl klappen würde mit dem Spannungsfaden? Aber ich muss sagen: Ja, es hat ganz wunderbar funktioniert“, bilanzierte der Bibliothekar. Gerade so, als sei’s ein Kinderspiel: Detektivarbeit mit Alexander Schrumpf.