Schule und Stadt, Straßenverkehr

Gelb oder Grün für Elterntaxis

Auf Rote Karten wurde bei „Blitz for Kids“ vor der Grundschule an den Linden bewusst verzichtet – Kinder sensibilisieren Autofahrer mit freundlicher Ansprache

Foto: Stadt Rödermark

Foto: Stadt Rödermark

Foto: Stadt Rödermark

Foto: Stadt Rödermark

Foto: Stadt Rödermark

Eine Gelbe Karte für Autofahrer? Die gibt es tatsächlich. Sie hat folgenden Aufdruck: „Sind Sie wirklich ein Raser? Wir Kinder orientieren uns am Verhalten von Erwachsenen. Seien Sie Vorbild. Bitte fahren Sie umsichtiger und helfen Sie, Unfälle zu vermeiden. Danke!“ Und eine Grüne Karte? Auch die kann jederzeit gezückt werden. Dann klingt die Ansprache deutlich freundlicher: „Sie sind ein Vorbild – danke! Bitte fahren Sie weiter so umsichtig und helfen Sie, Unfälle zu vermeiden.“

So lauten die Kernbotschaften, untermalt mit Angaben zum jeweiligen Bremsweg bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten, wenn Schulkinder zur Aktion „Blitz for Kids“ ausschwärmen. Polizei und ADAC ziehen dafür in mehreren Bundesländern die organisatorischen Regiefäden. In Rödermark gab es kürzlich vor der Schule an den Linden ein derartiges Kontroll- und Präventionsprojekt. Die städtische Ordnungsbehörde, die Polizeistation Dietzenbach und zwei freiwillige Polizeihelfer waren frühmorgens vor der ersten Schulstunde allesamt eingebunden, gruppiert um die Hauptakteure: 21 Mädchen und Jungen der Klasse 4d, begleitet von Lehrerin Veronika Hoffstadt.

Mit wachen Augen verfolgen, wie die Elterntaxis in die enge Töpferstraße einbiegen, auf das Tempo der Autos achten, auf (nicht) angelegte Gurte und etwaiges Halten mitten auf der Fahrbahn: Mit diesen Kontrollvorgaben machten sich die Kinder in Begleitung der Ordnungshüter ans Werk.

Keine aggressive Belehrung

Anschließend wurden die Fahrzeuglenker bei Bedarf am Straßenrand angehalten und mit den Karten gelobt oder sanft getadelt. Ein klares Signal, das unterstreicht, dass die Kampagne nicht auf aggressive Belehrung oder Bestrafung ausgerichtet ist: Rote Karten gab es nicht, und auch eine Radarmessung hätte auf dem kurzen Wegstück bis vors Schulgelände keinen Sinn gemacht.

Stattdessen: einfach die Situation betrachten, mit freundlicher Ansprache Hinweise geben, um Verständnis bitten und dauerhaft sensibles Verhalten im Straßenverkehr anmahnen – darum ging es allen Beteiligten.

Shkelqim Maloku, der neue „Schutzmann vor Ort“, war ebenso mit von der Partie wie Christian Runkel, Tanja Gruber und weitere Kollegen der städtischen Fachdienste für Öffentliche Sicherheit, Ordnung und Verkehr. Auch die Erste Stadträtin Andrea Schülner gesellte sich hinzu und registrierte, dass Gelbe und Grüne Karten ziemlich gleichmäßig verteilt zum Einsatz kamen.

Ein solch konstruktiv gemeinter Fingerzeig erfolgt in Rödermark im Rahmen des Vorbeugeprogramms „Kompass“. Wenn öffentlichkeitswirksam Disziplin und Rücksichtnahme insbesondere im Umfeld von Kindergärten und Schulen eingefordert würden, sei das sicher sinnvoll. Doch noch effektiver, so Schülners Fazit, wirke letztendlich jedes Fahrzeug, das morgens oder mittags gar nicht erst zum Bringen und Holen vor den Bildungseinrichtungen auftauche.

„Kinder, die laufen oder mit dem Roller und Rad zur Schule kommen, sind gleichbedeutend mit Autos, die nicht dorthin bewegt werden und somit zur Verkehrsstress-Dämpfung beitragen. Das ist die beste Variante“, betonte die Erste Stadträtin nach dem rund 30-minütigen Aktionszeitfenster in der Urberacher Ortsmitte.