Jugendarbeit

Für den Nachwuchs: Lobby ohne Luftschloss

Bei „Jugend trifft Politik“ wurde offen über Wunsch und Wirklichkeit gesprochen

Mit der Gestaltung eines neuen, deutlich aufgewerteten Sport- und Skateparks werde in diesem Jahr auf dem großen Freizeitgelände neben dem Badehaus begonnen. Eben so, wie es im Planungsprozess schon vor geraumer Zeit in Aussicht gestellt worden sei. Damals, als man Weichen gestellt und die künftigen Nutzer intensiv eingebunden habe. Vorgemerkt auf der Agenda mit der Kennziffer 2026 sei außerdem die Bildung einer Rödermärker Jugendkommission, angedacht als fachkundige Lobby, um die Interessen junger Leute besser bündeln und in den Dialog mit der Kommunalpolitik einspeisen zu können.

Mit diesen erfreulichen Aussagen aus der Sicht nachrückender Generationen ließ Bürgermeister Jörg Rotter bei der jüngsten Auflage von „Jugend trifft Politik“ aufhorchen. Bereits zum siebten Mal hatte der städtische Fachdienst Jugend das bewährte Format organisiert. Fünf Stadtverordnete der im Kommunalparlament derzeit vertretenen Fraktionen sowie rund 25 interessierte Kinder und Jugendliche trafen sich im Juz am Motzenbruch, um 90 Minuten lang all jene Stichworte zu erörtern, die in der Altersspanne von 10 bis 25 Jahren zwangsläufig eine große, zentrale Rolle spielen.

Bewährte Institutionen wie das Jugendzentrum und die Jugendfarm am Oberwiesenweg sichern, nach Möglichkeit noch ein paar kleinere, dezentrale Freizeittreffs unter freiem Himmel hinzugewinnen, beim ÖPNV an die Jugend denken, Mitspracherechte gewährleisten… Vielleicht auch in Form einer Wahlalter-Absenkung auf 16 Jahre?

Vieles kam zur Sprache, formuliert entweder als Frage, Vision oder konkrete Forderung. Der Aussprache stellten sich Travis Brößler (CDU), Aaron von Soosten-Höllings (AL/Grüne), Hülya Kiraylar (SPD), Björn Beicken (Freie Wähler) und Tobias Kruger (FDP). Dass den Bedürfnissen der Jungen im Hinblick auf Generationengerechtigkeit, soziale Balance und Nachhaltigkeit ein starkes Gewicht im politischen Prozess zukomme: In dieser Auffassung war sich das Quintett einig.

Schwieriger Spagat

Gleichwohl wurden keine verbalen Luftschlösser gebaut. Der Hinweis auf die extrem angespannte finanzielle Situation, mit der aktuell die allermeisten Kommunen in Deutschland zu kämpfen haben, durchzog den Abend wie ein roter Faden. Kruger brachte es auf den Punkt. Sein Tenor am Mikro vor den Youngstern: „Eure Gedanken und Anregungen sind sehr gut. Aber wir als Kommunalpolitiker müssen bei alledem immer schauen, was sich im schwierigen Spagat zwischen Wunsch und Wirklichkeit am Ende tatsächlich umsetzen lässt.“

Apropos: Gut umgesetzt wurde einmal mehr die technische Begleitung der Veranstaltung. Mit einem Live-Stream und der Option, das Video auch nachträglich auf den Kanälen von „Jugend Rödermark“ (Twitch und YouTube) aufrufen zu können, wurden über 150 Interessierte auf der Online-Schiene erreicht. Darum kümmerten sich Marcel Hitzel und Lars Oestreicher am Bildschirm und an den Reglern, Daniel Schanz als Kameramann sowie die Moderatoren Rafael Glaser und Bastian Simon: Treue Juz-Besucher, die im dortigen Medienlabor schon vielfältige Erfahrungen im Umgang mit Hard- und Software gesammelt haben.

Mit einem lockeren Ausklang unter der Überschrift „Pizza für alle“ konnte „Jugend trifft Politik“ auch bei der 26er-Auflage aufwarten. Und weil in Kürze die diesjährige Kommunalwahl ansteht, gab es auch noch ein Extra der besonderen Art: Mit Stimmzetteln und in geheimer Abstimmung wurde nach dem Meinungsaustausch nachgefragt, wer nach Ansicht der Beobachter die beste Figur auf dem Podium gemacht hatte.

Schnell war die Wahlurne gefüllt und geleert – doch mit der Auszählung lässt sich das von Fachdienst-Leiterin Stephanie Geisz angeführte Juz-Team noch ein bisschen Zeit. Nach dem 15. März, wenn auch die Stimmen in den Rathäusern in Urberach und Ober-Roden gesichtet werden, heißt es dann im Jugendzentrum: „Mal schauen, ob unser Favoritentipp zum Endergebnis der Wahl in Rödermark passt.“