Soziales

„Equal Pay Day“: Flagge zeigen bleibt Ehrensache

In Rödermark wurden zentrale Stichworte der Kampagne plakativ in Erinnerung gerufen – Bezahlung, Sorgearbeit, Rente: Viele Dinge stehen auf der Agenda

Flagge zeigen war wieder angesagt vor den Rathäusern in Ober-Roden und Urberach. Fahnen wurden gehisst und an inhaltliche Kernforderungen der Kampagne „Equal Pay Day“ erinnert

Kein leeres Ritual, sondern eine klare Haltung und Botschaft getreu der Devise „Gleicher Lohn für gleiche Leistung“: So präsentiert sich alljährlich die Flaggen-Aktion der Stadt Rödermark rund um den „Equal Pay Day“. Vor den Rathäusern in Urberach und Ober-Roden, wo auch Bürgermeister Jörg Rotter mit von der Partie war, wurde die bundesweite Kampagne mit der Kennziffer 2026 unterstützt, frei nach dem Motto „Ehrensache, denn steter Tropfen höhlt den Stein“.

Im Klartext: Es muss immer und immer wieder daran erinnert werden, dass in Deutschland eine Lücke klafft zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und Frauen. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass sich über alle Berufsfelder und Beschäftigungsverhältnisse hinweg eine aktuelle Differenz von 16 Prozent ergibt. Werden identische Tätigkeiten bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeitszeit als Bemessungsgrundlage herangezogen, so hinken die Frauen den Männern „nur“ um 6 Prozent hinterher – gleichwohl ist der Unterschied signifikant.

Immerhin: In den zurückliegenden 20 Jahren ist die Lücke bei der Bezahlung tendenziell kleiner geworden. Ein Verdienstabstand von rund 23 Prozent wurde 2006 von den Statistikern protokolliert. Doch der Weg zu Waagschalen im Gleichgewicht, was die Geschlechter anbelangt, ist nicht nur weit. Er wird auch von einer Reihe von Begleit- und Folgefaktoren flankiert.

So leisten Frauen nach wie vor mehr Sorgearbeit im Haushalt, befinden sich häufiger in schlechter bezahlten Teilzeit-Beschäftigungen und beziehen im „dritten Lebensalter“ durchschnittlich deutlich weniger Rente als Männer. Eine Kaskade von Abhängigkeiten also. Ein ungünstiger Faktor hat oft den nächsten zur Folge – und so bleibt das Engagement für soziale Balance auf all diesen Themenfeldern eine zähe Herausforderung.

Einblicke in die Arbeitswelt

Das beobachtet auch Isabel Martiner, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rödermark. Zwar sei die Problematik im Hinblick auf einheitliche Tarif-Standards im öffentlichen Dienst kein verwaltungsintern brennendes Thema. Doch die vielfältigen Einblicke in die Arbeitswelt und Lebensrealität all jener Frauen, die bei ihr um Beratung und Beistand nachsuchten, seien ein unmissverständlicher Indikator. „Es braucht den ‚steten Tropfen‘, um die Dinge schrittweise zum Besseren zu verändern“, unterstreicht Martiner.

Ihr Dank gilt allen Bediensteten der Stadt, die das Flagge zeigen begrüßt und unterstützt haben. „Die Beteiligung war erfreulich. Sie zeigt exemplarisch, dass viele Menschen für das Thema sensibilisiert sind und die Kernbotschaften weitertragen. Breit gestreuter Einsatz“, so Martiner, „bleibt dringend erforderlich, um dem Ziel einer geschlechtergerechten Einbindung und Bezahlung näher zu kommen. Unter sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten gibt es einen langen Aufgabenkatalog, den wir im Auge behalten müssen.“