Quartiersgruppen

Die vier Damen vom Bücherregal

Ein Quartett hält die Greif-zu-Bibliothek im Foyer der Sparkasse Urberach am Laufen

Gewünscht, geplant, Unterstützung gesucht, verwirklicht – nach diesem Strickmuster hat die Quartiersgruppe im Jahr 2016 dafür gesorgt, dass es auch in Urberach ein öffentliches Bücherregal gibt. Im Foyer der Filiale der Sparkasse Dieburg an der Konrad-Adenauer-Straße kann man sich seitdem mit Literatur versorgen – kostenlos, ohne Leserausweis und ohne Entleihfristen – oder selbst Bücher zur allgemeinen Verfügung stellen.

Vier Paten kümmern sich darum, dass der „Bibliotheksbetrieb“ reibungslos läuft. Von Anfang an dabei: Elisabeth Lenhardt, Aktivposten der Quartiersgruppe, die sich auch in anderen Projekten der ehrenamtlichen Kümmerer engagiert. Sie war es auch, die die Idee bei den regelmäßigen Treffen damals zusammen mit ihrem Ehemann Günter eingebracht hatte. Alle fanden das gut, dann erkundigte man sich, wie so etwas in anderen Kommunen läuft. Die Sparkasse schien den Quartiersaktivisten „das beste Umfeld“ zu bieten. Der damalige Sparkassenchef Manfred Nestler gab sein Okay und sagte sogar die Finanzierung eines Regals zu. Bei einem Ortstermin wurde der passende Standort ausgesucht - und dann konnte man loslegen.

Elisabeth Lenhardt hat mittlerweile drei Damen um sich geschart: Zusammen mit Elke Heckwolf, Petra Greulich und Irmtraud Adam-Wünsche bildet sie seit rund sieben Jahren das Team, das die Greif-zu-Bibliothek mit rund 300 Werken verschiedenster Genres am Laufen hält. Einmal im Monat ist für jede der vier eine Woche lang Regaldienst angesagt. Dann heißt es: nach dem Rechten schauen, Ordnung schaffen, die Bücher wieder in die passenden Kategorien einsortieren, „auch mal mit einem feuchten Lappen durchwischen, denn vor allem in den unteren Reihen staubt es natürlich ein“, so Lenhardt. „In meiner Woche bin ich fast täglich dort“, berichtet Elke Heckwolf. So halten es alle vier.

Wie das mit dem öffentlichen Regal funktioniert, dafür gibt es eine Regel, als Schild in Augenhöhe neben dem Regal angebracht: Nur gut erhaltene, saubere Bücher sollten eingestellt werden, und das in die beschrifteten Kategorien. Wer das Regal auffüllen möchte, aber keinen freien Platz findet, sollte seine Buchspenden vorerst wieder mitnehmen und nicht vor oder neben dem Regal stapeln. Ausleihen kann man sich, was und so viel man möchte. Man kann auch ein Tauschgeschäft eingehen oder ein Buch sogar behalten, wenn es denn sein muss.

Trotz der „Spielregeln“ komme es immer wieder vor, dass ganze Kisten neben dem Regal abgestellt werden, wenn kein Platz mehr für die Bücher war, klagen die Damen. „Auch Nachlässe sind hier schon entsorgt worden, alte, zerfledderte Bücher, die wir wirklich nicht gebrauchen können“, so Lenhardt. „Kinderspiele haben wir ebenfalls schon gefunden und einmal sogar eine Briefmarkensammlung!“ Das alles bedeutet: Zusätzliche Arbeit für die Patinnen, die sie sich ersparen könnten, wenn sich jeder an die Vorgaben halten würde.

Darüber ärgern sich die Bücherdamen auch mal, aber alles in allem mache der ehrenamtliche Job Spaß, versichern alle vier. Zumal sie immer wieder mit positiver Resonanz der „Kundschaft" belohnt werden: „Ach, wie toll!“ „Schön, dass es das gibt!“ „Ich komme jede Woche!“ „Das ist immer so ordentlich hier!“ Äußerungen, die Elisabeth Lenhardt, Elke Heckwolf, Petra Greulich und Irmtraud Adam-Wünsche motivieren, weiterhin am Regal zu bleiben.