Ein uraltes Gesicht: ganz nahe rückt der Fotograf heran an die faltige Schönheit mit den jungen Augen. Szenenwechsel. Was denkt sie, die alte Dame, die wehmütig aus dem Fenster schaut, das Zimmer ist schon geräumt, die Bücher stapeln sich auf einer Kommode, und sie hat offensichtlich ein letztes Mal Platz genommen in ihrem Sessel – „Abschied vom Elternhaus“ steht darunter. Bilder von alten Händen, die ein Leben lang gearbeitet haben. Bilder von Großeltern, die aktiv geblieben sind, die sich an ihren Enkeln freuen. Paare jenseits der Goldenen Hochzeit: beim Tanzen, beim Küssen, in trauter Zweisamkeit auf einer Wiese. Ein Künstler, der mit 84 in seinem Atelier schafft. Seniorinnen und Senioren beim Sport, am PC, im Fußballstadion. Eindrucksvolle Portraits, berührende Momente, witzige Szenen. Altersbilder. „Was heißt schon alt?“ Diese Frage stellt eine Ausstellung, zu der die Stadt noch bis zum 15. Juli nicht nur die ältere Generation ins Foyer der Halle Urberach einlädt. Erste Stadträtin Andrea Schülner und Kathrin Klaszyk-Sander, die Leiterin des Fachdienstes „Soziale Stadt“ der Verwaltung, haben die informative Schau am vergangenen Freitag eröffnet.
Ein differenzierteres Bild der Alters zeigen
Worum geht es? Die Wanderausstellung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend setzt sich dafür ein, ein neues und differenziertes Bild vom Alter in unserer Gesellschaft zu verankern. Klaszyk-Sander beleuchtete in ihrer Begrüßungsansprache die Hintergründe: „Was heißt schon alt? Man könnte antworten: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Alter ist kein starrer Begriff. Viele ältere Menschen leben heute bis ins hohe Alter bei guter Gesundheit und gestalten ihren Alltag sehr abwechslungsreich. Entsprechen aber die in der Gesellschaft vorherrschenden Altersbilder den vielfältigen Lebensentwürfen und Stärken der älteren Menschen von heute? Das war der Ansatz des Familienministeriums, als es vor einigen Jahren das Programm ‚Altersbilder‘ auflegte. Es ging darum, eine Diskussion anzustoßen. Eingefahrene Vorstellungen auf den Prüfstand zu stellen. Realistische und differenzierte Bilder und Vorstellungen vom Alter in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen.“
Beiträge stammen aus einem Foto- und Videowettbewerb
Die Wanderausstellung hat direkt mit diesem Programm zu tun. Sie zeigt Beiträge zu einem Foto- und Videowettbewerb, der zum Programmauftakt das Thema in die Öffentlichkeit tragen sollte. Wie alt ist alt? Bis wann ist man noch jung? Wie sieht das Leben im Alter tatsächlich aus? Mit diesen Fragen im Kopf gingen die Fotografinnen und Fotografen auf Motivsuche. Und sie wurden auf vielfältige Weise fündig. In der Zusammenstellung werden die verschiedensten Facetten des Alters und des Älterwerdens zum Ausdruck gebracht. „Genau so sollte es sein!“, so Klaszyk-Sander. Alle Fotos und die Videos, Interviews, ein Quiz und ein Gästebuch kann man digital per Touchscreen an einem Board aufrufen.
Im Alter aktiv in Rödermark
Im Alter aktiv bleiben, sich einmischen, die Zeit für sinnvolle Dinge nutzen, sich ehrenamtlich engagieren – wer sich diese fordernden Vorschläge zu eigen macht, hat mehr vom Leben. Eine ganze Menge aktiver, junggebliebener Senioren gibt es auch in Rödermark. Einige von ihnen konnte Kathrin Klaszyk-Sander zur Ausstellungseröffnung begrüßen. Etwa Rudi Zischka und Karlheinz Raab, beide jenseits der 70, beide aktive Radler und Skifahrer, beide Organisatoren von Touren, ob beim Skiclub oder unter dem Dach des ADFC. „Das hat sich halt so entwickelt. Und es macht Spaß“, antworten die beiden unisono auf die Frage, warum sie immer noch am Rad drehen. Oder Elfriede Lotz-Frank, ein Aktivposten beim Heimat- und Geschichtsverein und auch in der Quartiersgruppe engagiert. Und natürlich auch Brigitte Beldermann, die ihren 80. schon vor einiger Zeit gefeiert hat, zum einen aber als stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin aus den Reihen der Anderen Liste weiterhin politisch aktiv ist. Zum andern ist sie eine der wichtigen Antriebskräfte in der Quartiersgruppe Urberach. Altersbilder. Altersvorbilder.
Weitere Informationen zum Besuch der Ausstellung und Abschluss Ü-60-Disko am 12. Juli
Die Ausstellung kann täglich von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. An den Werktagen kann man mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachdienstes „Soziale Stadt“ der Verwaltung über die Thematik ins Gespräch kommen. Begleitet wird das Thema überdies von einem Aktionstisch in der Stadtbücherei. Und es gibt ein Rahmenprogramm. Das Thema „Wohnen im Alter“ beleuchtet Bernd Koop, der Vorsitzende des VdK Ober-Roden, am Montag, dem 7. Juli, ab 15.30 Uhr im Mehrzweckraum der Halle Urberach. Zum Abschluss wird gefeiert: „Was heißt schon alt, wir tanzen bis..." lautet das Motto für eine Ü-60-Disco am Samstag, dem 12. Juli, ab 19 Uhr im SchillerHaus.