Zur Kritik des Neoliberalismus

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23. Rödermärker Hochschultag von Stadt und Nell-Breuning-Schule mit dem Volkswirtschaftler Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck

Um eine Kritik des Neoliberalismus geht es beim 23. Rödermärker Hochschultag, zu dem Stadt und Nell-Breuning-Schule für Montag, den 16. April, um 18.30 Uhr in die Kulturhalle einladen. Referent des Abends ist der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck. Unterstützt wird die Veranstaltung wieder von der Sparkasse Dieburg.

Prof. Brodbeck wird sich einem Thema widmen, das uns alle, insbesondere aber auch die Schüler der Oberstufe ansprechen dürfte, die bald in eine Marktwirtschaft entlassen werden und mit deren theoretischen und moralischen Voraussetzungen sie vertraut sein sollten. Diese wurden in den vergangenen Jahrzehnten vor allem von einer ökonomischen Schule bestimmt, die unter dem Namen Neoliberalismus Karriere gemacht hat. Der Neoliberalismus, der aus dem klassischen ökonomischen Liberalismus hervorgegangen ist, wurde in den dreißiger Jahren u.a. von den Österreichern Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises ausformuliert. Er hat in seiner moderaten oder „ordo-liberalen“ Form auch Eingang gefunden in die soziale Markwirtschaft der BRD und bestimmt in seiner eher marktradikalen Variante seit den frühen 1980er Jahren – unter dem US-Präsidenten Ronald Reagan und der britischen Premierministerin Margaret Thatcher – mehr oder weniger alle Volkswirtschaften der Welt.

Spätestens seit der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2007/8 steht das Modell zunehmend in der Kritik. Denn insbesondere die Deregulierung der Banken und Finanzmärkte scheint zu Konsequenzen zu führen, die sich als nicht mehr kontrollierbar erweisen. Der wohl nachhaltigste Wirkmechanismus des Neoliberalismus, dass wirklich alles – Gemeingüter (Boden, Wasser, Luft), Wohnen, Arbeit, Geld und Menschen – zur Ware und „vermarktlicht“ wird, ist moralisch kaum mehr nachvollziehbar; Individuen werden zu „rational-choice“-Unternehmern ihrer selbst und zu „Marktperformern“, die allein für sich selbst verantwortlich sind.

Tatsächlich wird der Begriff heute fast nur noch negativ, aber auch schlagwortartig und inflationär gebraucht. Es ist deshalb erfreulich, dass ein hochangesehener Volkswirtschaftler und Ethiker den Begriff und die wechselhafte Wirkungsgeschichte des Neoliberalismus erläutert und ihn einer fundierten Kritik vor dem Hintergrund aktueller wirtschaftlicher Entwicklungen unterzieht. Prof. Brodbeck gilt nicht nur als ein fesselnder Redner, sondern auch als profilierter Didaktiker.

„Der Vortrag knüpft an die Tradition der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule und ihrer Hochschultage an, sich aufklärerisch und kritisch mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Sie möchte damit auch das Andenken und die Werte ihres Namengebers pflegen und aktiv weiterzuführen. Sie freut sich deshalb ganz außerordentlich, Herrn Prof. Dr. Brodbeck in Rödermark begrüßen zu dürfen“, sagt NBS-Lehrer Prof. Dr. Philipp Wolf, der diesen 23. Hochschultag wieder organisiert hat.

Prof. Brodbeck hat zunächst Elektrotechnik studiert und arbeitete als Ingenieur bei Siemens in Augsburg. 1973 nahm er das Studium der Philosophie und Volkswirtschaftslehre auf, wurde 1981 mit einer Arbeit über den technischen Wandel promoviert, lehrte danach an der Hochschule für Politik der Universität München und war Mitarbeiter am ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München. Nach einer weiteren Tätigkeit in der Privatwirtschaft als Geschäftsführer der Gesellschaft für Medienmarketing in München wurde er 1992 Professor für Volkswirtschaftslehre, Volkswirtschaftspolitik, Betriebsstatistik und Kreativitätstechniken an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt sowie Dozent für Wirtschaftspolitik an der Hochschule für Politik in München. 2014 wurde Prof. Brodbeck emeritiert.

Seine Forschungsinteressen gehen weit über das hinaus, womit man die Volkwirtschaftslehre traditionell verbindet. Seine Schriften zur Ethik, insbesondere zur Wirtschaftsethik, zur Kreativitätsforschung, zur Theorie des Geldes und buddhistischen Wirtschaftsethik ebenso wie seine Kritik an den herrschenden Paradigmen der Wirtschaftswissenschaften haben eine große nationale und internationale Resonanz gefunden. Er ist praktizierender Buddhist und im wissenschaftlichen Beirat beim Tibethaus in Frankfurt. Darüber hinaus engagiert er sich in der Fairness-Stiftung in Frankfurt oder der Finance & Ethics Academy Diex, Österreich.

Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen ragt besonders das 1200-seitige Opus Magnum „Die Herrschaft des Geldes“ heraus.  Darin weist er eindrucksvoll nach, wie das Geld unser Denken formt und bestimmt, menschliches Handeln koordiniert und unsere Wirtschaft und Gesellschaft dominiert. Das Geld ist nicht ein bloßes Zahlungsmittel, sondern ein abstraktes Medium und eine soziale Illusion, die nichtsdestoweniger unsere psychische Verfassung ebenso wie die gesellschaftliche Moral besetzt.

Prof. Dr. Philipp Wolf

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