„Ich würde so gerne kochen und dafür mit jemandem Deutsch reden!“

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Das erste Worldcafé hat viele Probleme und fehlende Kontakte sichtbar gemacht

Ende Mai erhielt das Netzwerk für Flüchtlinge (NFR) dafür den Integrationspreis der Stadt, nun kam es zum ersten „Worldcafé“ – und das ausgerechnet an dem Wochenende der Zerreißprobe, an dem die Flüchtlingsfrage die deutsche Regierung zu spalten drohte. Trotz des sommerlich schönen Wetters fanden ca. 80 Menschen den Weg in die Kelterscheune, um zusammen – Geflüchtete und Rödermärker Bürger – über das gute Zusammenleben im Ort zu sprechen und Wege zu finden, etwas gemeinsam zu machen. Es war eine gelungene Veranstaltung, ein weiterer Schritt, „nicht über die Geflüchteten zu sprechen, sondern mit ihnen“ und Vorbehalte und Ängste auf beiden Seiten abzubauen.

Unter der Leitung der Vorsitzenden Brigitte Speidel-Frey und eines großen Helferstabs waren viele Mitarbeiter vor der Veranstaltung quer durch alle Sprachgruppen auf der Suche nach deren positiven wie negativen Erfahrungen hier in Rödermark, nach Hoffnungen und Wünschen gewesen. Was seit Monaten von den Ehrenamtlichen und den Flüchtlingen gemeinsam mit Dolmetschern in sieben Workshops gesammelt und vorbereitet worden war, hing jetzt an Pinnwänden und wurde von den Gästen des Worldcafés erweitert. Flüchtlinge aus Äthiopien, Eritrea, Somalia, Iran, Syrien, Pakistan und Afrika konnten ihre vielleicht noch nicht aufgeführten Sorgen, aber auch guten Erfahrungen ergänzen; Dolmetscher, die den Geflüchteten vor allem Sicherheit gaben, halfen bei der Verständigung.

Der Plan war, nicht nur grobe Absichtserklärungen für zukünftige Projekte, sondern bewusst kleine erste Bausteine dafür festzumachen: Angebote für gemeinsame Aktionen etwa. Immer wieder stand – quer durch alle Länder – der Mangel an Kontakten zu den Deutschen und damit auch zur deutschen Sprache auf den Pinnwänden: „Deutsche sind kurz angebunden – sie sagen nur ‚Hallo!’“ - Deutschkurse für ältere Menschen oder auch für ältere Schüler sind oft zu anspruchsvoll - Die Unterstützung durch die eigens ausgebildeten Sprachlotsinnen ist zu wenig bekannt.

Die Hoffnung der Flüchtlinge richtete sich meist auf mehr Gastfreundschaft der Deutschen, auf Sprach-Paten für die persönliche Unterstützung und auf gemeinsames Feiern: das Nourouz-Fest etwa. Fast durchwegs gleiche Aussagen standen auf den sieben Länder-Pinnwändern bei den positiven Seiten in Deutschland: soziale Gleichheit, gleiche Rechte für Männer und Frauen, schulische Möglichkeiten, Verlässlichkeit auf deutsche Wertarbeit und vor allem „Recht und Ordnung“, „Frieden und Freiheit“. Ängste gibt es viele: eine eigene Wohnung finden, Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze finden, vor allem aber die Angst vor der Nichtanerkennung und dem Abgeschoben-werden. Aber auch die Ausländerfeindlichkeit macht den Flüchtlingen Angst. Über allem aber steht immer wieder: „Wenn man die Sprache kann, geht alles besser!“

Wie geht es nun weiter? „Wir wussten nicht, wie viele Bürger kommen werden, aber wir hatten uns schon etwas mehr Resonanz erhofft“, fasste Brigitte Speidel-Frey den Tag zusammen. „Wir machen mit den Geflüchteten aber in dieser Richtung weiter, werden jetzt erst einmal intensiv die Pinnwände auswerten und dann gewichten: Was kann schnell erledigt werden und was mittelfristig? Wozu brauchen wir Zeit?“ Geplant sind mittelfristig etwa Länderabende mit entsprechenden Essensangeboten, kurzfristig Ausflüge, die ganz besonders den Wünschen der Flüchtlinge nach mehr persönlicher Nähe und besseren Möglichkeiten, die Sprache zu lernen und zu sprechen, entgegenkommen.

„Wir leben hier in der Gemeinschaftsunterkunft wie in Klein-Iran“ – diese Aussage bekräftigte die Tatsache, dass kaum Deutsche ins Quartier kommen und infolge dessen auch kein Deutsch gesprochen wird. Ein Angebot beinhaltet etwa, dass ein Konversationskreis Deutsch erweitert wird; ein weiteres besteht darin, die Flüchtlinge umgekehrt darin zu stärken, wie sie selbst auf Deutsche zugehen können. So bot eine Frau an: „Ich würde so gerne für jemanden kochen, und die Leute können dafür Deutsch mit uns reden“. Ideen gibt es viele, weiß das NFR-Team, doch nun heißt es, die Menschen dafür zu finden und sie zusammenzubringen.

Nächste Möglichkeit, mit den geflüchteten Menschen in Rödermark wie auch mit den Helfern vom NFR in Kontakt zu kommen, ist das diesjährige Freundschaftsfest auf der Bulau am 25. August. Dabei wird es auch eine Kontaktbörse geben, an der die geflüchteten Menschen ihre Wünsche anmelden können und Rödermärker Bürger ihre Angebote platzieren können und vieles mehr.

Bis dahin ist der Kontakt wie gewohnt unter www.netzwerk-fluechtlinge-roedermark.de oder direkt im Büro im Mühlengrund 17 in Urberach möglich oder bei der Vorsitzenden Brigitte Speidel-Frey, Telefon 0170 2280902, brigittespeidel-consulting.de.

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