Eine Auktion als letzte Amtshandlung

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Bürgermeister Roland Kern versteigert im Dinjerhof zugunsten des Netzwerks für Flüchtlinge Bühnenoutfits von Nina Hagen

Welche Künstlerin in Deutschland steht mehr für Kultur ohne Grenzen, als Nina Hagen! Sie hat als Weltstar alle Grenzen überschritten und genießt als Godmother of Punk Kultstatus in der ganzen Welt. Eine Kuh, die sie für die Weltausstellung 2000 bemalt hat, verbindet sie mit dem Dinjerhof. Für eine Versteigerung zugunsten des Netzwerkes für Flüchtlinge in Rödermark hatte Nina den Dinjerhof-Freunden vor einigen Wochen ihre „schnuckeligsten Bühnenoutfits“ zur Verfügung gestellt. Als Auktionator wurde Bürgermeister Roland gewonnen, als Termin der Midde-noi-Sonntag festgelegt, an dem im Dinjerhof auch sonst einiges los war. Das Ganze wurde zu einem Happening der besonderen Art, zu einem fröhlichen Fest mit lautem Gelächter, kreischenden Bietern und durchaus wohlmeinendem Personal – Auktion mal anders. Für Kern war es an seinem letzten Tag im Amt die letzte „Amtshandlung“, der er sich mit gebotener Würde, passender Kopfbedeckung und verkaufsförderndem Humor unterzog. Mit einem Riesenhammer, der sonst wohl eher Freibierfässer ansticht, erteilte er den traditionellen Zuschlag „Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten!“

Der ganze Hof verfolgte das Geschehen mit so viel Vergnügen, wie es im Hause Sotheby’s garantiert noch nie der Fall war. Man ließ sich auch mal vom Auktionator zum Kauf überreden, wenn ein Kleid oder ein „Fascinizer“-Accessoire aus der vorausgegangenen Modenschau gut gestanden hatte; man grölte vor Gaudi, wenn gestandene Männer für knallige Minikleidchen boten. Auch Rödermarks neue Erste Stadträtin Andrea Schülner hatte eines der guten Stücke in aufregendem Schwarz-Grün präsentiert, das sie dann auch ersteigerte.

Wilhelm Schöneberger, der zu Beginn noch einmal berichtet hatte, wie es zum Kontakt mit Nina Hagen gekommen war, und die „Freunde im Dinjerhof“ hatten viel Arbeit in diese einmalige Aktion gesteckt. Das lohnte sich. Auktionseinnahmen von rund 1370 Euro – vom „Dinjerhof“-Verein auf 1500 Euro aufgerundet – kommen dem Netzwerk Flüchtlinge zugute. Inklusive der 510 Euro, für die sich der frühere Rödermärker Gerd Wilhelm ein raffiniertes kleines Schwarzes gesichert hatte, das demnächst erst einmal ein Jahr lang ins Württembergische Landesmuseum nach Stuttgart ausgeliehen wird, um dann im Besitz des „Dinjerhofes“ zu bleiben.

Schöneberger und sein Team blickten am Ende auf einen langen Tag mit vielen Hofgästen zurück: „Blues after Breakfast“ mit der „Matchbox Bluesband“ hatte Harry Beierer von „RedRoosterRödermark“ organisiert, eine Ausstellung zu seinem 40. Geburtstag samt einem Konzert des Mundartsängers und Orwischer Äppelwoi-Geschworenen Rainer Weisbecker der Heimat- und Geschichtsvereins Rödermark präsentiert. Und vor der Auktion wurde auch die fleißigsten Stadtradler im Dinjerhof geehrt. Nach dem letzten Hammerschlag erhoben sich dann alle Gäste im Hof zu Ehren des scheidenden Bürgermeisters.

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