Der Mensch (in) der Zukunft

|   Aktuelles

Nell-Breuning-Symposium widmete sich dem Spannungsfeld von Biotechnologie, Künstlicher Intelligenz und gutem Leben

Es war sicherlich eines der spannendsten, vielleicht auch geheimnisvollsten und spekulativsten Themen der bisherigen Symposien: Unter dem Titel „Der ,Neue Mensch‘ – Biotechnologie, Künstliche Intelligenz und die Frage nach dem guten Leben“ führte das neunte Nell-Breuning-Symposium von Europa-Schule und Stadt hochrangige Wissenschaftler in der stets gut gefüllten Kulturhalle zusammen. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Sparkasse Dieburg. Eröffnet hatte das Symposium die NBS-Europa-Songgruppe, unter anderem mit neuen Songs zum Thema. Zum Auftakt des zweiten Tages steuerte die Lehrer-Schüler-Band passende Texte und Klänge bei. Allen Beteiligten dankte Bürgermeister Jörg Rotter zu Beginn der zweitägigen Veranstaltung ausdrücklich.

Die acht Vorträge verlangten dem überwiegend nicht-fachwissenschaftlichen Publikum aus Schülern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern zwar einiges an Konzentration ab. Doch man wurde belohnt mit einer Vielfalt an Erkenntnissen, Hintergründen und vorsichtigen Prognosen zur Zukunft des Menschen. Letztgültige normative Antworten konnte natürlich keiner geben. Gleichwohl luden die Vorträge auch das überwiegend nicht-fachwissenschaftliche Publikum dazu ein, die Frage zu diskutieren, welche Werte (und Menschenbilder) in einer Gesellschaft gelten sollen, die sich zunehmend der Technik überantwortet und das bisherige westliche Wertesystem grundsätzlich zur Disposition stellt. „Besseres Verstehen“ der geheimnisvollen Dinge um Gentechnik und Künstliche Intelligenz hatte sich Bürgermeister Rotter in seinem Grußwort gewünscht. Dies leistete das Symposium in höchst interessanter Weise.

„In den vergangenen drei Jahrzehnten gab es tiefgreifende Entwicklungen in den Bio-, Lebens- und Neurowissenschaften, der Informationstechnologie, der Erforschung der Künstlichen Intelligenz sowie der molekularen Nanotechnologie“, beschrieb Prof. Dr. Philipp Wolf, NBS-Lehrer und Organisator des Symposiums, in seinem einleitenden Referat den Hintergrund des Themas. Wie bei allen technologischen Umwälzungen in der Geschichte gebe es Zukunftsoptimisten und Pessimisten, Liberale (oder Libertäre), Konservative und Pragmatiker. Wolfs Position in dieser Diskussion: „Pragmatiker gehen davon aus, dass das, was technisch machbar ist, zumeist auch gemacht wird. Sie versuchen daher einen sozialen, ethischen, rechtlichen und politischen Modus des Umgangs mit den Innovationen der Biotechnologie und künstlichen Intelligenz zu finden. Sie entwickeln Kriterien für ein gutes Leben, das sich dem Gemeinwohl, der Sozialstaatlichkeit und Sozialverträglichkeit verpflichtet fühlt. Die Organisatoren des Symposiums fühlen sich diesem kritischen Pragmatismus verpflichtet. Sie glauben, dass ein solcher Ansatz sich am besten mit den Grundwerten unserer Gesellschaft vereinbaren lässt.“

Gestaltet wurde das Symposium von acht renommierten Referenten aus den Bereichen der Philosophie, der Theologie, der Physik (bzw. Informationstechnologie), den Rechtswissenschaften, den Sportwissenschaften und der Sportmedizin sowie der Pharmakologie. Die große Bandbreite der fachlichen Orientierung spiegelte auch die Vielfalt der Aspekte und Dimensionen wider, die mit den Themen Biotechnologie und Künstliche Intelligenz verknüpft sind. Die Wissenschaftler, die sich den neuen technischen Entwicklungen nicht verschließen, wiesen nicht nur auf mögliche moralische, technische, gesundheitliche oder rechtliche Konsequenzen hin. Sie zeigten auch Grenzen auf und beschrieben Wege, auf denen ein gelingendes und gutes Leben – mit neuen Technologien – beschritten werden kann.

Einen theologischen Rahmen beschrieb zum Auftakt Prof. Dr. Dr. Benedikt Göcke von der Katholisch-Theologischen Universität der Ruhr-Universität in Bochum mit seinem Vortrag unter dem Stichwort „Transhumanismus und der Glaube an Gott“. Unter einem juristischen Aspekt beleuchtete Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, Rechtsgelehrter von der Uni Würzburg, das Symposiumsthema: „Technikregulierung – Notwendigkeit, Voraussetzungen und Grenzen“ lautete der Titel seines Vortrags. Optimierung und Verbesserung – das sind seit jeher Stichworte für den Leistungssport. Prof. Dr. Franz Bockrath vom Institut für Sportwissenschaft der TU Darmstadt hatte seinen Beitrag „Körperliche Perfektionierung und globale Leistungskonkurrenz – Zur Genese informeller Technisierungsstrategien im Hochleistungssport“ überschrieben. Anschließend sprach Prof. Dr. Dr. Stefan-Martin Brand vom Institut für Sportmedizin der Uni Münster über „Leistungsoptimierung in der Sportmedizin: Möglichkeiten und Grenzen“.

Den zweiten Tag eröffnete Prof. Dr. Dieter Birnbacher vom Institut für Philosophie der Uni Düsseldorf: „Die Diskussion um die neuen Möglichkeiten der Gentherapie – eine ethische Sicht“ lautete das Thema seines Vortrags. Der Physiker Dr. Bernd Vowinkel von der Giordano-Bruno-Stiftung Köln gab einen Ausblick unter dem Titel „Auslaufmodell Mensch? Wie die künstliche Intelligenz das Schicksal der Menschheit beeinflusst“. Einen pragmatischen Aspekt künftiger Entwicklungen nahm Prof. Dr. Stefan Lorenz Sorgner von der John Cabot University Rom in den Blick: „Ein europäisches Sozialkredit-System als pragmatische Notwendigkeit?“. Zum Abschluss beleuchtete Dr. Stefan Herbrechter, Privatdozent an der Coventry University und der Uni Heidelberg, die Entwicklung des Posthumanismus unter dem Titel „Critical Posthumanism – A Genealogy“.

Zurück
Der katholische Theologe Prof. Dr. Benedikt Göcke
Die Lehrer-Schüler-Band und Friends
Eine Strophe eines Liedes der NBS-Europa-Songgruppe
Prof. Dr. Dieter Birnbacher
Der Physiker Dr. Bernd Vowinkel
Der Sportmediziner Prof. Dr. Stefan-Martin Brand
Back to Top