Historische Orte in Ober-Roden

Nachfolgend richten wir den Blick auf zwei kleine Perlen der Lokalgeschichte - beide funkeln im Ober-Röder Zentrum. Ein herzliches Dankeschön gilt in diesem Zusammenhang der Lokalen Partnerschaft für den Ortskern Ober-Roden, die als beratendes Gremium im Förderprogramm „Wachstum und Nachhaltige Erneuerung“ den Stadtumbau unterstützt und maßgeblich an der Standortwahl und der Gestaltung von Schildern beteiligt war. Dank gebührt auch dem Heimat- und Geschichtsverein, der mit historischen Hintergründen und Informationen zur Mühle das Projekt gefördert hat.

Die Mühlen in Ober-Roden

Bis um 1680 war Ober-Roden geprägt von zwei Landesherren - den Hanauern und den Kurmainzern.

Um 1445 datiert die erste Erwähnung der sogenannten „Hanauer Mühle“.

Obgleich man sich auf die hälftige Teilung der bis dahin einzigen Mühle auf „Hanauer Gebiet“ für Gesamt-Ober-Roden geeinigt hatte, ließen die Kurmainzer um 1570 eine eigene Mühle auf „Mainzer Gebiet" zusätzlich in Betrieb gehen.

Später auch als „Maneval’sche Mühle“ bekannt, lag die „Mainzer Mühle“ in der heutigen Heitkämper Straße/ehemals Mühlgasse. Für den Betrieb zweigten die Mainzer noch außerhalb des Ortes von der Rodau einen Graben ab. Mittels einer Schleuse konnten sie Wasser stauen und so den Zufluss regulieren. Damit hatten sie einen deutlichen Vorteil.

Für die „Hanauer Mühle“ hingegen bekam das Sprichwort „jemandem das Wasser abgraben“ eine ganz besondere Bedeutung. Dennoch blieb sie offensichtlich bis zum Dreißigjährigen Krieg in Betrieb. Für die Zeit danach schweigen die Überlieferungen.

Hanau tritt im Jahr 1684 seine Besitzungen in Ober-Roden an Kurmainz ab. Fortan gibt es nur noch einen Landesherren und eine Mühle.

Im Gegensatz zu den beiden Mühlen in Urberach sind die Informationen zur „Maneval’schen Mühle“ eher spärlich. Hinzu kommt, dass sie ihren Betrieb bereits vor dem Zweiten Weltkrieg einstellte. Folgende Informationen sind belegt:

  • 1828-1853:Eigentümer der Mühle ist der jüdische Händler Nehm Oestreich aus Babenhausen. Angestellte Müller mahlen das Getreide.
  • 1853: Verkauf der Mühle an Eberhard Christoph Maneval (1821-1902)
  • 1893: Die Übergabe steht an. Bis zu seinem Tod überwirft sich Eberhard Christoph jedoch mit seinen Söhnen Eberhard Jakob (1860-1926), Jakob Ernst sowie seinem Schwiegersohn Philipp Beckmann. Die Nachfolge bleibt zunächst offen.
  • 1902: Der Zwangsverkauf droht. Sohn Eberhard Jakob muss auf die Mühle zurückkehren. Er betrieb in der Zwischenzeit eine Bäckerei in der Obergasse. Die finanzielle Lage ist sehr schlecht. Es erfolgen keine Modernisierungen.
  • 1926: Nach dem Tod von Eberhard Jakob übernimmt sein Sohn Paul Ludwig (1895-1974) als letzter Müllermeister den Betrieb. Er war später NSDAP-Mitglied und wurde um 1935 Reichspostbeamter.
  • 1937: Der Betrieb der Mühle wird nun auch offiziell eingestellt.

Die Wiederentdeckung des verloren geglaubten Mühlsteins im Jahr 2022

Im Jahr 2022 wurde auf dem Gelände des Betriebshofes der jahrelang unbeachtet eingelagerte Mühlstein der Maneval'schen Mühle wiederentdeckt.

Er wurde als Läuferstein der Maneval'schen Mühle, die im historischen Ortskern und damit im heutigen Stadtumbaugebiet stand, erkannt und deshalb im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Wachstum und nachhaltige Erneuerung” in die Maßnahme „Innerer Ring“ eingebunden. Er fand unweit seines ursprünglichen Einsatzortes - der heutigen Heitkämperstraße 12 - seinen endgültigen Standort in einem Pflanzbeet an der Ecke Heitkämperstraße/Pfarrgasse.

Läuferstein bedeutet: Zu einer Getreidemühle gehören zwei Mahlsteine. Während der untere ruhig liegt, dreht sich der obere - der Läuferstein. Durch ein Loch in der Mitte des Läufersteins wurde das Getreide eingefüllt.

Schrankenwärterhäuschen in Ober-Roden

Die Schranke an der Straßenquerung der damaligen Kirchgasse (heute Dieburger Straße) wurde durch den Bau der „Rodgau-Bahn" von Offenbach über Ober-Roden nach Reinheim im Jahr 1896 erforderlich. Ursprünglich befand sich gegenüber am Rosengarten ein kleines Blechhäuschen, an welchem die Schranken durch einen vom Bahnhof kommenden Schrankenposten bei Bedarf betätigt wurde.

Mit der Inbetriebnahme der Dreieichbahn von Ober-Roden über Urberach nach Dreieich-Buchschlag im Jahr 1905 entwickelte sich die Station Ober-Roden zum Kreuzungsbahnhof.

Im Jahr 1940 wurde an der Dieburger Straße ein festes Schrankenwärterhäuschen errichtet. Dieses Objekt war - mit der Bahn von Rollwald kommend - das erste sichtbare Gebäude der Bahnanlage Ober-Roden.

Hierher wurden dem Schrankenwärter Joseph Hoffmann per Telefon die ein- und ausfahrenden Züge gemeldet. Die beiden Schranken bediente er manuell mit einer Handkurbel.

Bis 1985 wurde der Verkehr auf diese Weise geregelt, bis schließlich die Schranken über eine automatische Gleisfreimeldeanlage von Offenbach aus gesteuert wurde. Die Konsequenz: Der Schrankenwärter sowie das Häuschen wurden nicht mehr gebraucht.

Da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz stand, konnte die Bundesbahn trotz aller Einwände nicht am Abriss gehindert werden.